Solide und klug

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
mrs_suesskartoffel Avatar

Von

Marie Menkes Spielverderberin ist ein leiser, atmosphärisch dichter Roman über weibliche Freundschaft, Herkunft und die fragile Balance zwischen Nähe und Abhängigkeit. Die große Stärke des Buches liegt für mich eindeutig in seiner Sprache: Menke schreibt poetisch, bildreich und mit einem feinen Gespür für Stimmungen. Dorf, Baggersee, Köln – all diese Räume fühlen sich sinnlich und lebendig an.

Inhaltlich begleitet der Roman die Freundschaft von Sophie, Lotte und Romy, die sich zwischen ländlicher Verwurzelung und städtischer Freiheit formt – und zunehmend verkompliziert. Besonders die Dynamik der Dreierkonstellation ist treffend beobachtet: Faszination, Eifersucht, Loyalität und Schuld liegen dicht beieinander. Das Verschwinden einer der Freundinnen wirkt dabei wie ein Katalysator, der alte Verletzungen freilegt und unausgesprochene Erinnerungen bedrohlich an die Oberfläche bringt.

Trotz der starken Atmosphäre bleibt die emotionale Fallhöhe stellenweise hinter den Erwartungen zurück. Die Figuren wirken bewusst distanziert gezeichnet, was literarisch konsequent ist, aber den Zugang erschwert. Einige zentrale Konflikte – insbesondere die „harte Nacht“, um die sich vieles dreht – bleiben sehr vage und entfalten dadurch weniger Wucht, als sie könnten.

Spielverderberin ist damit kein Roman für Spannung oder klare Auflösungen, sondern für Leser:innen, die sich auf Zwischentöne, Sprachbilder und ein langsames Erzählen einlassen möchten. Für mich ein stilistisch überzeugendes, inhaltlich jedoch nicht ganz erfüllendes Leseerlebnis – solide und klug.