Wenn Freundschaft zu Obsession wird

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Ich-Erzählerin Sophie trifft in ihrem Heimatdorf auf Romy und Lotte, mit denen sie in der Schule befreundet war. Inzwischen lebt sie in Köln, wie auch Romy, trotzdem haben sie keinen Kontakt. Die Begegnung reißt Sophie zurück in die Vergangenheit und wandelt sich in eine Obsession Romy gegenüber, die schon damals nicht gut endete.
„Spielverderberin“ von Marie Menke handelt von dem wenig beachteten Thema Freundschaft, das allzu oft nur eine Randerscheinung neben der ums sich greifenden romantischen Beziehung ist, daher hat mich der Roman, Marie Menkes Debüt, besonders neugierig gemacht. Leider konnte er mich nicht so überzeugen, wie ich gehofft hatte.
Auch wenn die Charaktere und die Freundschaft gut gezeichnet sind, konnte ich Sophie oft nicht nachvollziehen. Ihr Ringen um Romys Aufmerksamkeit, ihre Eifersucht gegenüber Lotte waren durchaus verständlich, die daraus resultierenden Handlungen aber nicht. Irgendwann war ich regelrecht genervt von Sophies Buhlen und habe mir oft gewünscht, dass sie sich abwendet von Romy, die sie offensichtlich als Lückenbüßerin betrachtet. Sprachlich konnte es mich auch nicht zu hundert Prozent überzeugen. Zwar gab es stimmige Bilder, aber ich bin zu oft über Formulierungen gestolpert und hätte mir so manche Streichung gewünscht. Zudem haben mich die Absätze irritiert, die wie wahllos eingestreut wirkten und meinen Lesefluss gestört haben.
Was mich allerdings beeindruckt hat, ist der Plot selbst. Der Aufbau der Geschichte ist stimmig, der Spannungsbogen und vor allem die Frage, was der Auslöser für dieses ganze Drama ist, hat mich weiterlesen und das Buch beenden lassen. Die Auflösung ist gelungen, aber auch da hab ich mir etwas „schlimmeres“ vorgestellt. Doch hier muss man wohl das Alter der Figuren berücksichtigen. Sie sind noch jung, Sophie ist von Angst durchsetzt, ihre Verunsicherung ist greifbar.
Auch wenn mich der Roman nicht absolut überzeugen konnte, werde ich Marie Menke im Auge behalten.