Wenn Freundschaft zur Falle wird

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julirudi Avatar

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Im Roman "Spielverderberin" von Marie Menke begleiten wir eine obsessiven Freundschaft, die zwischen der ländlichen Idylle eines kleinen Dorfes und der Anonymität der Großstadt pendelt. Die Dreier-Konstellation zwischen Sophie, unserer Erzählerin, Lotte, mit der sie aufgewachsen ist und Romy, die aus München in die Bauerschaft hinzugezogen ist.
Schnell merkt der Leser, wie ungleich diese Freundschaft ist und dass ein Versprechen, von dem die dritte im Bunde und damit auch die leidtragende nichts weiß. Dieses bewusste Versprechen zwischen Sophie und Romy, stellt für Lotte eine Schattenseite dar.

Der Roman besticht durch seinen hervorragenden sprachlichen Ausdruck und die stilistische Sicherheit, mit der Menke die Emotionen und Spannungen zwischen den Charakteren einfängt. Die Beschreibungen der ländlichen Umgebung und die damit verbundenen Abgründe der menschlichen Beziehungen sind überaus eindrücklich und zeugen von einer tiefen Beobachtungsgabe.

Jedoch muss ich gestehen, dass ich Schwierigkeiten hatte, mich in die Figur der Sophie hineinzuversetzen. Ihre impulsiven Entscheidungen und das Verhältnis zu Romy blieben für mich oft unverständlich. Auch in Romy, die aus der Großstadt in das Dorf gezogen ist und damit eine gewisse Exotik und Anziehung ausstrahlt, konnte ich nicht erkennen, was Sophie in ihr sah. Diese ungleiche Freundschaft, die stark von Geheimnissen und unausgesprochenen Erwartungen geprägt ist, ließ mich als Leserin oft distanziert zurück.