Zerbrechliche Freundschaft - Ein vielversprechendes Debüt
MEINE MEINUNG
Der Roman „Spielverderberin“ von Marie Menke ist ein vielversprechendes Debüt, das sich den subtilen Verwerfungen einer weiblichen Dreierfreundschaft auseinandersetzt.
Im Mittelpunkt stehen die drei jungen Frauen Sophie, Lotte und Romy, deren Beziehung schon während der Schulzeit von Nähe, Faszination, verdeckter Konkurrenz und unausgesprochenen Verletzungen geprägt war. Anschaulich erzählt Menke vom Aufwachsen in der Stadt und auf dem Land, von auseinanderdriftenden Lebensentwürfen und dem schmerzhaften Moment, wenn aus kindlicher Vertrautheit die unüberbrückbare Distanz Erwachsener entsteht.
Während Sophie und Lotte in einem kleinen Bauerndorf zusammen zur Schule gehen und seit Kindertagen unzertrennlich sind, stößt das Stadtkind Romy erst in der Oberstufe hinzu. Mit ihrer selbstbewussten Art wirkt sie auf die beiden Freundinnen gleichermaßen faszinierend und irritierend. Schon bald verschiebt sie das Gleichgewicht der vertrauten Zweierfreundschaft. Aus der engen Freundschaft erwächst eine fragile Dreierbeziehung, in der sich Bewunderung, Eifersucht, Unsicherheit und subtile Machtspiele immer stärker überlagern. Menke gelingt es hervorragend, dieses labile Gleichgewicht zwischen den Mädchen sehr eindrucksvoll einzufangen und eine unheilvolle Vorahnung heraufzubeschwören.
Erzählt wird die Geschichte unchronologisch und auf wechselnden Zeitebenen. So begleiten wir die Figuren durch ihre Jugend, die Zeit nach dem Abitur und die frühen Jahre des Erwachsenenlebens. Nach und nach wird deutlich, wie sich die Vertrautheit langsam auflöst, ihre gemeinsamen Wege sich trennen, sie auf Distanz gehen und die Figuren schließlich unterschiedlichen Zukunftsplänen folgen. Während Sophie und Romy in Köln studieren, verbleibt Lotte in ihrem Dorf.
Mit großem Feingefühl beleuchtet Menke das fragile Gefüge weiblicher Freundschaft und arbeitet vor allem die dunklen Schattierungen ihrer Freundschaft heraus, die sich in unheilvollen Abhängigkeiten, Missgunst, Konkurrenz, Minderwertigkeitsgefühlen, unerfüllten Erwartungen sowie Verletzungen zeigen, die sich über Jahre hinziehen. Dabei gelingt es ihr, uns tief in diesen Prozess einzubinden, sodass man den langsamen, schmerzhaften Zerfall ihrer einst so engen Freundschaft hautnah miterlebt. Eindrucksvoll arbeitet sie heraus, dass sich Freundschaften nicht einfach fortführen lassen, wenn die Lebenswege auseinanderdriften und alte Wunden zurück bleiben. Zugleich fällt es aber auch schwer, alte Bindungen loszulassen, die einst so bedeutsam waren.
Ein zentrales Element der Geschichte ist ein dunkles, zunächst nur vage angedeutetes Geheimnis von beklemmender Tragweite, das über Jahre hinweg zwischen den Freundinnen steht. Menke versteht es, eine subtile Spannung aufzubauen, indem alte Verletzungen und Konflikte nicht offen ausgetragen werden, sondern über Schweigen, Blicke, unvollendete Sätze und das Unausgesprochene laufen. Die Spannung wird beständig aufrechterhalten und macht neugierig darauf, welche Ereignisse die Beziehung so nachhaltig belastet haben.
Mit ihren drei Protagonistinnen hat Menke zwar vielschichtige Charaktere mit Ecken und Kanten angelegt, die allerdings zugleich sehr distanziert und unnahbar bleiben und allesamt wenig Sympathien wecken. Die sprunghafte, extrovertierte Romy zieht alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, bleibt jedoch mit ihrer Unzuverlässigkeit schwer zu enträtseln. Auch die sich stets zurückgesetzt fühlende Sophie entwickelt eine fast zwanghafte Fixierung auf Romy und wird später von unerklärlichen Schuldgefühlen geplagt oder schließlich Lottes rätselhaftes Verhalten und ihr Schicksal, Insgesamt blieben ihre Handlungen und Motive für mich nur teilweise nachvollziehbar, was sie als Figuren wenig greifbar macht.
Mit ihrem ruhigen, schnörkellosen Schreibstil gelingt es Menke, die leicht beklemmende Atmosphäre, die stets zwischen den Zeilen mitschwingt, perfekt einzufangen.
In ihrem Roman thematisiert für meinen Geschmack etwas plakativ Menke auch die Gegensätze zwischen ländlichem Milieu, das für Vertrautheit, Gemeinschaft und vermeintliche Sicherheit steht, und dem städtischen Umfeld, das für Freiheit, Selbstverwirklichung, aber auch Anonymität und Entfremdung steht. Die Darstellung wirkt stellenweise etwas schematisch und hätte deutlich tiefgründiger ausgeführt werden können.
Die Auflösung des um Lotte kreisenden Geheimnisses erfolgt erst spät und hinterlässt bewusst Leerstellen, wodurch das unterschwellige Unbehagen bis zum Schluss präsent bleibt. Die eigentliche Erklärung entpuppt sich in ihrer Banalität als etwas enttäuschend, da ich mit einem dramatischeren Hintergrund gerechnet hatte.
FAZIT
Ein fein gezeichneter Debütroman über die Zerbrechlichkeit weiblicher Freundschaft, der eindrucksvoll über Ausgrenzung und schleichende Entfremdung sowie die dunklen Seiten von Nähe und engen Beziehungen erzählt und zum Nachdenken anregt.
Der Roman „Spielverderberin“ von Marie Menke ist ein vielversprechendes Debüt, das sich den subtilen Verwerfungen einer weiblichen Dreierfreundschaft auseinandersetzt.
Im Mittelpunkt stehen die drei jungen Frauen Sophie, Lotte und Romy, deren Beziehung schon während der Schulzeit von Nähe, Faszination, verdeckter Konkurrenz und unausgesprochenen Verletzungen geprägt war. Anschaulich erzählt Menke vom Aufwachsen in der Stadt und auf dem Land, von auseinanderdriftenden Lebensentwürfen und dem schmerzhaften Moment, wenn aus kindlicher Vertrautheit die unüberbrückbare Distanz Erwachsener entsteht.
Während Sophie und Lotte in einem kleinen Bauerndorf zusammen zur Schule gehen und seit Kindertagen unzertrennlich sind, stößt das Stadtkind Romy erst in der Oberstufe hinzu. Mit ihrer selbstbewussten Art wirkt sie auf die beiden Freundinnen gleichermaßen faszinierend und irritierend. Schon bald verschiebt sie das Gleichgewicht der vertrauten Zweierfreundschaft. Aus der engen Freundschaft erwächst eine fragile Dreierbeziehung, in der sich Bewunderung, Eifersucht, Unsicherheit und subtile Machtspiele immer stärker überlagern. Menke gelingt es hervorragend, dieses labile Gleichgewicht zwischen den Mädchen sehr eindrucksvoll einzufangen und eine unheilvolle Vorahnung heraufzubeschwören.
Erzählt wird die Geschichte unchronologisch und auf wechselnden Zeitebenen. So begleiten wir die Figuren durch ihre Jugend, die Zeit nach dem Abitur und die frühen Jahre des Erwachsenenlebens. Nach und nach wird deutlich, wie sich die Vertrautheit langsam auflöst, ihre gemeinsamen Wege sich trennen, sie auf Distanz gehen und die Figuren schließlich unterschiedlichen Zukunftsplänen folgen. Während Sophie und Romy in Köln studieren, verbleibt Lotte in ihrem Dorf.
Mit großem Feingefühl beleuchtet Menke das fragile Gefüge weiblicher Freundschaft und arbeitet vor allem die dunklen Schattierungen ihrer Freundschaft heraus, die sich in unheilvollen Abhängigkeiten, Missgunst, Konkurrenz, Minderwertigkeitsgefühlen, unerfüllten Erwartungen sowie Verletzungen zeigen, die sich über Jahre hinziehen. Dabei gelingt es ihr, uns tief in diesen Prozess einzubinden, sodass man den langsamen, schmerzhaften Zerfall ihrer einst so engen Freundschaft hautnah miterlebt. Eindrucksvoll arbeitet sie heraus, dass sich Freundschaften nicht einfach fortführen lassen, wenn die Lebenswege auseinanderdriften und alte Wunden zurück bleiben. Zugleich fällt es aber auch schwer, alte Bindungen loszulassen, die einst so bedeutsam waren.
Ein zentrales Element der Geschichte ist ein dunkles, zunächst nur vage angedeutetes Geheimnis von beklemmender Tragweite, das über Jahre hinweg zwischen den Freundinnen steht. Menke versteht es, eine subtile Spannung aufzubauen, indem alte Verletzungen und Konflikte nicht offen ausgetragen werden, sondern über Schweigen, Blicke, unvollendete Sätze und das Unausgesprochene laufen. Die Spannung wird beständig aufrechterhalten und macht neugierig darauf, welche Ereignisse die Beziehung so nachhaltig belastet haben.
Mit ihren drei Protagonistinnen hat Menke zwar vielschichtige Charaktere mit Ecken und Kanten angelegt, die allerdings zugleich sehr distanziert und unnahbar bleiben und allesamt wenig Sympathien wecken. Die sprunghafte, extrovertierte Romy zieht alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, bleibt jedoch mit ihrer Unzuverlässigkeit schwer zu enträtseln. Auch die sich stets zurückgesetzt fühlende Sophie entwickelt eine fast zwanghafte Fixierung auf Romy und wird später von unerklärlichen Schuldgefühlen geplagt oder schließlich Lottes rätselhaftes Verhalten und ihr Schicksal, Insgesamt blieben ihre Handlungen und Motive für mich nur teilweise nachvollziehbar, was sie als Figuren wenig greifbar macht.
Mit ihrem ruhigen, schnörkellosen Schreibstil gelingt es Menke, die leicht beklemmende Atmosphäre, die stets zwischen den Zeilen mitschwingt, perfekt einzufangen.
In ihrem Roman thematisiert für meinen Geschmack etwas plakativ Menke auch die Gegensätze zwischen ländlichem Milieu, das für Vertrautheit, Gemeinschaft und vermeintliche Sicherheit steht, und dem städtischen Umfeld, das für Freiheit, Selbstverwirklichung, aber auch Anonymität und Entfremdung steht. Die Darstellung wirkt stellenweise etwas schematisch und hätte deutlich tiefgründiger ausgeführt werden können.
Die Auflösung des um Lotte kreisenden Geheimnisses erfolgt erst spät und hinterlässt bewusst Leerstellen, wodurch das unterschwellige Unbehagen bis zum Schluss präsent bleibt. Die eigentliche Erklärung entpuppt sich in ihrer Banalität als etwas enttäuschend, da ich mit einem dramatischeren Hintergrund gerechnet hatte.
FAZIT
Ein fein gezeichneter Debütroman über die Zerbrechlichkeit weiblicher Freundschaft, der eindrucksvoll über Ausgrenzung und schleichende Entfremdung sowie die dunklen Seiten von Nähe und engen Beziehungen erzählt und zum Nachdenken anregt.