Zerrüttelte Freundinnenschaft

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karolina_hruskova Avatar

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Wir begleiten die Freundinnen Sophie, Lotte und Romy auf zwei Zeitebenen: In Rückblicken erlebt man ihre Zeit unmittelbar vor dem Abitur, die Zeit der großen Entscheidungen, der Veränderungen. Vier Jahre später stehen wir an einem Punkt, an dem ihre Freundinnenschaft nach einer Entfremdung wieder in den Mittelpunkt rückt.

Marie Menkes Debütroman war durchzogen von einer spürbaren Schwere, denn nach und nach näherte man sich einem Ereignis, das die Freundinnenschaft damals verändert hat. Doch war das nur der Auslöser - viele kleine Ursachen haben vorher bereits dazu geführt, dass sich die Freundinnen fremd geworden sind. Anfangs gab es nur Sophie und Lotte, bis Romy zugezogen ist und die bisherige Dynamik stark verändert hat. Die Freundinnenschaft war sehr komplex, subtil im Wandel, äußerst fragil. Marie Menke hat es trotzdem geschafft, dass mir in diesem Konstrukt die Orientierung leicht fiel und ich den Linien klar folgen konnte.

Der Roman lebt von Unausgesprochenem, einer melancholischen Atmosphäre, von Geheimnissen, Ghosting, Obsession, der Frage nach Identität und Herkunft, der damit verbundenen Zerrissenheit. Ereignisse aus der Vergangenheit belasten Sophie, sie findet keinen Abschluss. Die Freundinnenschaft, die diese Belastung verursacht hat, aber auch gleichzeitig Sophies Sicherheitsnetz war, existiert nicht mehr. Nach dem Abitur zerbrach sie recht schnell, als Romy sich entzogen hat und einfach verschwand.

Als Leserin habe ich aus Sophies Sicht auf deren Erwachsenwerden im Kontext ihrer Freundinnenschaft blicken können. Mir hat es dabei gefallen, Sophies Gedanken zu teilen und tiefer in das Konstrukt einzutauchen. Allerdings gab es keinen Aufhänger, durch den mir der Roman länger im Gedächtnis bleiben wird. War es die Nüchternheit, der Nebel, der geheimnisvoll und schwer über allem lag - letztendlich konnte ich »Spielverderberin« nie vollumfänglich greifen. Dennoch möchte ich zukünftig mehr von Marie Menke lesen, denn vor allem atmosphärisch hat mich ihr Debüt auf jeden Fall überzeugt.