Zwischen Freundschaft, Schuld und Selbstfindung

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apfelmaus Avatar

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Das Buch erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt: in der Gegenwart und vier Jahre zuvor. Dieser Aufbau macht es leicht, Entwicklungen nachzuvollziehen und verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe, ohne kompliziert zu wirken.

Das Cover ist insgesamt in Ordnung. Die freien Farben gefallen mir, allerdings wirkt die Gestaltung eher etwas altmodisch und spiegelt für mich nicht sofort den sehr jugendlichen, emotionalen Coming-of-Age-Inhalt wider. Hier hätte ich mir einen moderneren Zugang gewünscht.

Inhaltlich geht es um Freundschaft, Abhängigkeiten und die schwierige Suche nach der eigenen Identität. Besonders im Fokus steht die starke Fixierung auf eine Freundin als Leitfigur sowie die Frage, wie leicht man zum Mitläufer oder sogar Mittäter wird, wenn man den Mut verliert, für die eigenen Werte einzustehen. Themen wie Schuld, fehlende Verantwortungsübernahme und deren langfristige Folgen ziehen sich konsequent durch die Handlung. Auch Orientierungslosigkeit, soziale Vergleiche sowie der Gegensatz zwischen Stadt und Land spielen eine wichtige Rolle.

Der Schreibstil ist übersichtlich, ruhig und sehr angenehm zu lesen. Die Sprache ist klar und zugänglich, was das Buch auch für jüngere Leser*innen gut geeignet macht.

Die Figuren – drei sehr unterschiedliche Freundinnen – wirken authentisch und nahbar. Besonders der Hauptcharakter Sophie war mir persönlich jedoch sehr unsympathisch: stark orientierungslos, teilweise obsessiv getrieben, geprägt von Eifersucht, Unehrlichkeit und Schwierigkeiten innerhalb der Dreierfreundschaft. Eine klare Lernkurve oder Verantwortungsübernahme habe ich bei ihr kaum erkannt. Dennoch passen genau diese Schwächen gut zu den behandelten Themen des Erwachsenwerdens, etwa Leistungsdruck, Unsicherheit und Selbstfindung.

Für mich ist das Buch interessant, weil es innere Konflikte realistisch abbildet und zeigt, wie prägend ungelöste Schuld und Abhängigkeiten sein können. Auch im Hinblick auf Gespräche mit meiner Tochter empfinde ich die Themen als sehr relevant. Die Autorin werde ich definitiv weiter verfolgen.

Fazit:
Ein ruhiger, nachdenklicher Coming-of-Age-Roman, der wichtige Fragen stellt und zum Reflektieren anregt. Besonders empfehlenswert für junge Leserinnen sowie für Eltern, die sich mit den inneren Konflikten des Erwachsenwerdens auseinandersetzen möchten.