Näher dran an den Wald kann kein Buch kommen
Wenn Politiker während der Wahlkampagne Bäume umarmen, wirkt das gekünstelt und oberflächlich. Wenn Hannah Assil einen Baum umarmt, wird sie eins mit dem Baum und dem ganzen Wald. Die Aufnahmen sind wunderschön und tragen dazu bei, die Komplexität des Ökosystems Wald zu begreifen und zu verstehen und zu achten.
Assil beschreibt den deutschen und österreichischen Wald in seinen komplexen Erscheinungsformen, vom Auwald im Tiefland, zum Mischwald und dem Nadelwald in den Höhenlagen. Sie betont, wie wichtig im Ökosystem Wald alle “Partner” sind, vom Baum, zu den Pilzen und der Mykorrhiza, die einer ohne den anderen nicht überleben können, von den Insekten zu den Vögeln und Wirbeltieren. Alles zusammen bildet ein Netzwerk, ermöglicht das Überleben und das Gedeihen des Einzelnen. Assils Erklärungen sind sehr einleuchtend, bestechen durch glasklare Logik.
Schade, dass Hannah Assil nicht über den Tellerrand hinausblickt. Sie betont, wie schützenswert und wichtig der österreichische Urwald von Dürrenstein-Lassingtal ist. Aber es gibt in Europa einen viel größeren Urwald, der von der Landesregierung offiziell zum Schutzgebiet erklärt wurde. Es handelt sich um die Karpatenwälder in Rumänien, die gnadenlos von IKEA und österreichischen Firmen abgeholzt werden. Gleichzeitig treiben skrupellose italienische und französische Trüffelhändler einen regen Kommerz mit der armen Landbevölkerung. Die Trüffel, die aus diesen Wäldern erbeutet werden, sind reinster Qualität, wie sie auch in französischen und italienischen Wäldern vorkam, aber nun keine reiche Ausbeute mehr hergeben. Darum sind diese findigen Händler auf Rumänien ausgewichen. Leider werden die Dorfbewohner nicht geschult, nicht alle Trüffel restlos auszugraben. Das Ergebnis: ein kompromittierter Urwald, der noch maximal 10 Jahre überleben kann. Die Dorfbewohner erhalten einen Hungerlohn, während der große Reibach in Italien und Frankreich gemacht wird. In Rumänien ist der Försterberuf einer der gefährlichsten Berufe überhaupt.
Doch verlassen wir den rumänischen Wald. Hannah Assils Buch ist ein Kleinod. Ich liebe ihre Bilder, in denen sie uns Waldbewohner vorstellt,sei es ein Fliegenpilz, eine Zirbelkiefer, ein Reh oder Fuchs oder die unzähligen gefiederten Waldbewohner. Das Wintergoldhähnchen Regulus Regulus war mir gänzlich unbekannt. Dabei ist er ein grandioser Überlebenskünstler, obwohl kaum 5 Gramm leicht. In die Haubenmeise Lophophanes Cristatus habe ich mich auf den ersten Blick verliebt, der kleine Rocker hat es in sich. Weniger Sympathie meinerseits für den Borkenkäfer, aber Assil bricht auch für ihn eine Lanze. Der Borkenkäfer kann sich ausbreiten wenn bestimmte (negative) Bedingungen erfüllt sind: von Menschenhand gepflanzte Fichtenwälder in reinster Monokultur, alle Bäume gleich alt, Dürre und Trockenheit. Wenn all diese Faktoren zusammentreffen, kann der Wald dem Borkenkäfer nichts mehr entgegensetzen außer dem Dreizehenspecht. So wie die AUtorin die Waldmitglieder vorstellt und beleuchtet, sind sie alle Schlüsselarten, die für das gesamte Ökosystem elementar sind.
“Der Wald funktioniert nicht linear. Er denkt nicht in Anfang und Ende, sondern in Übergängen” (S. 185). Wie wahr! Weiter im Text lautet es: “Wer dem Wald zuhört…lernt etwas üer Zusammenhalt, über das Zulassen von Veränderung und über die Kraft leiser Prozesse.” (S. 185).Bei meinem nächsten Waldspaziergang zur Lillachquelle werde ich das beherzigen.
Assil beschreibt den deutschen und österreichischen Wald in seinen komplexen Erscheinungsformen, vom Auwald im Tiefland, zum Mischwald und dem Nadelwald in den Höhenlagen. Sie betont, wie wichtig im Ökosystem Wald alle “Partner” sind, vom Baum, zu den Pilzen und der Mykorrhiza, die einer ohne den anderen nicht überleben können, von den Insekten zu den Vögeln und Wirbeltieren. Alles zusammen bildet ein Netzwerk, ermöglicht das Überleben und das Gedeihen des Einzelnen. Assils Erklärungen sind sehr einleuchtend, bestechen durch glasklare Logik.
Schade, dass Hannah Assil nicht über den Tellerrand hinausblickt. Sie betont, wie schützenswert und wichtig der österreichische Urwald von Dürrenstein-Lassingtal ist. Aber es gibt in Europa einen viel größeren Urwald, der von der Landesregierung offiziell zum Schutzgebiet erklärt wurde. Es handelt sich um die Karpatenwälder in Rumänien, die gnadenlos von IKEA und österreichischen Firmen abgeholzt werden. Gleichzeitig treiben skrupellose italienische und französische Trüffelhändler einen regen Kommerz mit der armen Landbevölkerung. Die Trüffel, die aus diesen Wäldern erbeutet werden, sind reinster Qualität, wie sie auch in französischen und italienischen Wäldern vorkam, aber nun keine reiche Ausbeute mehr hergeben. Darum sind diese findigen Händler auf Rumänien ausgewichen. Leider werden die Dorfbewohner nicht geschult, nicht alle Trüffel restlos auszugraben. Das Ergebnis: ein kompromittierter Urwald, der noch maximal 10 Jahre überleben kann. Die Dorfbewohner erhalten einen Hungerlohn, während der große Reibach in Italien und Frankreich gemacht wird. In Rumänien ist der Försterberuf einer der gefährlichsten Berufe überhaupt.
Doch verlassen wir den rumänischen Wald. Hannah Assils Buch ist ein Kleinod. Ich liebe ihre Bilder, in denen sie uns Waldbewohner vorstellt,sei es ein Fliegenpilz, eine Zirbelkiefer, ein Reh oder Fuchs oder die unzähligen gefiederten Waldbewohner. Das Wintergoldhähnchen Regulus Regulus war mir gänzlich unbekannt. Dabei ist er ein grandioser Überlebenskünstler, obwohl kaum 5 Gramm leicht. In die Haubenmeise Lophophanes Cristatus habe ich mich auf den ersten Blick verliebt, der kleine Rocker hat es in sich. Weniger Sympathie meinerseits für den Borkenkäfer, aber Assil bricht auch für ihn eine Lanze. Der Borkenkäfer kann sich ausbreiten wenn bestimmte (negative) Bedingungen erfüllt sind: von Menschenhand gepflanzte Fichtenwälder in reinster Monokultur, alle Bäume gleich alt, Dürre und Trockenheit. Wenn all diese Faktoren zusammentreffen, kann der Wald dem Borkenkäfer nichts mehr entgegensetzen außer dem Dreizehenspecht. So wie die AUtorin die Waldmitglieder vorstellt und beleuchtet, sind sie alle Schlüsselarten, die für das gesamte Ökosystem elementar sind.
“Der Wald funktioniert nicht linear. Er denkt nicht in Anfang und Ende, sondern in Übergängen” (S. 185). Wie wahr! Weiter im Text lautet es: “Wer dem Wald zuhört…lernt etwas üer Zusammenhalt, über das Zulassen von Veränderung und über die Kraft leiser Prozesse.” (S. 185).Bei meinem nächsten Waldspaziergang zur Lillachquelle werde ich das beherzigen.