Den Raum für sich beanspruchen, der einem zusteht

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merleredbird Avatar

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Danke an den Hanser Verlag und Vorablesen, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

„Du BIST schön. Jetzt. So, wie du bist.“

Das Vorwort dieses Kinder-/Jugendbuches gibt schon ziemlich gut den Ton dafür an, was die Message von Starfish sein wird. Eine berührende und schmerzliche Geschichte über Mobbing auf Grund des Gewichtes. Dieses Buch verherrlicht kein Übergewicht, und gleichzeitig steht aber der Grund für das Gewicht der Protagonistin gar nicht im Vordergrund. Viel mehr geht es in dem Buch um die Reaktionen der Gesellschaft zu ihrem Aussehen und ihre Beziehung zu sich selber.

Es werden viele Szenen gezeigt, in der die Protagonistin gemobbt wird, sich in der Schule und Öffentlichkeit Sprüchen und Schikanen ausgesetzt wird und in ihrem Zuhause (v.a. von Seiten der Mutter) nicht die richtige Unterstützung erhält. Toxische Familienbeziehungen werden auch thematisiert. Als Person, die in ihrer Schulzeit auch wegen ihres Aussehens gemobbt wurde, konnte ich mich in vielen Augenblicken wiederentdecken. Die wenige Unterstützung oder Zivilcourage von anderen, die Selbstvorwürfe, der Frust…

„Die Geschichtsbücher sind voll von schrecklichen Ereignissen, die geschehen sind, weil sich Leute zurückgelehnt und geschwiegen haben. Für euch war das, was heute passiert ist, nicht schlimm, weil ihr nicht selbst betroffen wart. Aber das kann sich jederzeit ändern. Denkt daran.“

Was ich an dem Buch etwas vermisst habe, war der positive Ausgleich. Es werden wirklich oft die negativen, teils traumatisierenden Erfahrungen von Ellie beschrieben. Ja, es gibt auch tolle Szenen mit ihren Freundinnen, mit ihrer Therapeutin, im Pool. Aber besonders weil das Buch für eine jüngere Zielgruppe geschrieben wurde, möchte ich diesen Hinweis geben, dass dem Buch etwas Leichtigkeit mangelt.

„Als ich davongehe, wird mir klar, dass ich gerade zum Seestern geworden bin. Ich habe Raum für mich beansprucht, der mir ebenso zusteht wie allen anderen.“

Die Metaphorik mit dem Wasser und dem „zum Seestern werden“ als etwas positives, wo Ellie ständig als „Wal“ beleidigt wird, hat mir richtig gut gefallen. Es ist ein starkes Bild, weil das Schwimmen ihre große Liebe und Ablenkung ist, aber sie durch einen Vorfall vor einigen Jahren eine negative Assoziation damit hat. Im Laufe des Buches lernt sie, sich selber zu lieben und kann eine neue Verknüpfung zum Wasser schaffen und sich irgendwie als „Meeresbewohnerin“ lieben lernen, und zwar als das Wesen, was sie sich selber ausgesucht hat (das klingt jetzt viel hochgestochener als ich wollte, ich hoffe man versteht worauf ich hinaus will?).

Das Buch ist außerdem in Versform geschrieben. Ich fand es okay – muss aber ehrlich gesagt zugeben, dass ich den Mehrwert davon nicht so 100% sehe. Theoretisch waren es normale Sätze, nur in Vers formatiert.

Insgesamt komme ich auf 4 von 5 Sternen und kann das Buch schon empfehlen, weil ich es eine wichtige Leseerfahrung war. Vielleicht sind Menschen wie ich, mit ähnlichen Erfahrungen wie Ellie nicht 100% die Zielgruppe, weil das Wiedererleben schon schmerzlich war – vielleicht geht es eher darum, generell Menschen zu sensibilisieren, was ihre Worte auslösen können.