Düstere Kulisse, verhaltene Wirkung

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Da ich mysteriöse Geschichten liebe und mich das wunderschöne Cover sofort angesprochen hat, war „Starling House“ für mich ein klarer Kauf- und Lesegrund. Umso enttäuschter war ich, dass mich das Buch letztlich nicht so überzeugen konnte, wie ich es mir erhofft hatte.
Die Grundidee klang laut Klappentext unglaublich spannend. Leider fiel mir der Einstieg sehr schwer: Der Anfang zieht sich enorm, gefühlt vergehen die ersten 100 Seiten, ohne dass wirklich etwas passiert. Zusätzlich störten mich die zahlreichen Fußnoten, die den Lesefluss immer wieder unterbrachen, sowie die verschiedenen Versionen und Erzählungen über das Haus zu Beginn, die eher verwirrend waren als neugierig machten. Zwar wurde der Schreibstil im weiteren Verlauf fesselnder, dennoch ertappte ich mich mehrfach bei dem Gedanken, das Buch abbrechen zu wollen, weil es mich stellenweise einfach langweilte.
Was die Autorin jedoch sehr gut beherrscht, ist das Erzeugen einer düsteren und geheimnisvollen Atmosphäre, ohne dass diese beim Lesen erdrückend oder belastend wirkt. Auch die Protagonistin Opal ist grundsätzlich interessant angelegt. Ich konnte zwar keine echte emotionale Bindung zu ihr aufbauen, dennoch gefiel mir, dass sie keine typische Heldin ist: Sie hat keine Familie, kein richtiges Zuhause, kein Geld, trägt die alleinige Verantwortung für ihren Bruder und entspricht äußerlich nicht den gängigen Schönheitsidealen. Gerade diese Unperfektheit macht sie ungewöhnlich und hebt sie von vielen anderen Figuren ab.
Natürlich spielt sie eine besondere Rolle in Verbindung mit dem geheimnisvollen Starling House, wo sie Arthur kennenlernt – einen zurückgezogenen, einsamen Kauz, zu dem sie Nähe aufbaut.
Die Liebesgeschichte hätte es für mich allerdings nicht gebraucht. Opal weiß kaum etwas über Arthur, weshalb mir diese Entwicklung stellenweise unlogisch erschien. Wirklich gestört hat sie mich jedoch auch nicht – sie fühlte sich einfach überflüssig an.
Angesichts der vielen positiven Bewertungen denke ich, dass „Starling House“ definitiv etwas für Leser:innen ist, die dunkle, mysteriöse Geschichten mit Smalltown-Atmosphäre mögen und Geduld für einen sehr ruhigen Einstieg mitbringen. Mir persönlich hat das Buch jedoch nicht genug gegeben, um es weiterzuempfehlen. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir etwas gefehlt hätte, wenn ich es nicht gelesen hätte. Schade.