Selbstverortung

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In Zentrum von Anna Katharina Scheidemantels Roman "Statt aus dem Fenster zu schauen" steht eine junge Frau, die spürt, dass ihr Leben mehr aus Routinen als aus Entscheidungen besteht. Sophie funktioniert – im Studium, im Job, im sozialen Gefüge. Doch innerlich wächst bei ihr das Gefühl, lediglich Beobachterin ihres eigenen Daseins zu sein. Dann passiert ein einschneidender Wendepunkt: Aus einer spontanen Eingebung heraus kauft sie sich ein günstiges, deswegen sanierungsbedürftiges Haus auf dem Land.

Die Geschichte entfaltet sich weniger als spektakuläre Aussteigerfantasie denn als behutsame Selbstverortung. Zwischen Staub, Werkzeug und bröckelnden Wänden wird deutlich, dass es hier um mehr geht als um Renovierungsarbeiten. Jeder Fortschritt am Gebäude spiegelt eine innere Bewegung. Die Lektüre der Leseprobe erinnert mich jetzt schon sehr an Kristin Vallas "Ein Raum zum Schreiben", eines meiner Lieblingsbücher. Auch hier formiert sich das Porträt einer Frau, die Schritt für Schritt Verantwortung für ihr Leben übernimmt und der Freiheit zur Selbstgestaltung des eigenen Lebens nachzukommen versucht. Ohne große Gesten, aber mit spürbarer Konsequenz zeigt der Roman, dass Veränderung nicht im Außen beginnt, sondern in der Entscheidung, nicht länger passiv zu bleiben.