Die leise Kunst sich selbst zu finden

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
miss_jenny Avatar

Von

Sophie hört auf, nur zuzusehen: sie geht hinaus ins Leben. Sie löst sich von Erwartungen, verlässt den vorgezeichneten Weg und stellt infrage, was „Erfolg“ überhaupt bedeutet. Äußerlich passiert wenig, innerlich jedoch alles.

Als junge Frau mit besten Aussichten: starkes Abitur, Studium, Praktikum, bewegt sie sich zunächst sicher durch eine durchgeplante Welt zwischen WG-Zimmer, Uni und digitalem Dauerrauschen. Doch der Druck wächst, und irgendwann zieht sie die Reißleine.
Spontan kauft sie ein heruntergekommenes Haus für 3000 Euro in Günderode und beginnt dort ein völlig anderes Leben. Ein Sommer entfaltet sich, der mehr ist als nur ein Ortswechsel: Es ist eine Annäherung an sich selbst. Zwischen Kartoffelacker, Renovierungsarbeiten und Dorfleben entdeckt Sophie, was Echtheit bedeuten kann.

Ein besonders treffender Gedanke bringt das Grundgefühl des Romans auf den Punkt:
„Denn im 21. Jahrhundert ist Langeweile die größte Todsünde von allen. Schlimmer als Verrücktsein oder Durchdrehen oder Kontrollverlust. Für all das gibt es Publikum, Resonanz, Likes. Nur Langeweile. Langeweile bleibt unsichtbar. Unbedeutsam. Vergessenswert.“

Die Autorin findet dafür eine eindrucksvolle, oft poetische Sprache und begleitet ihre Figur sensibel durch Zweifel, Hoffnung und Wachstum. Der Roman erzählt von Mut, von Freiheit und davon, dass andere Wege möglich sind, wenn man sich traut, sie zu gehen.