Ein Buch wie ein warmer Frühlingstag

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anna.bookworld Avatar

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Manchmal liest man ein Buch genau zur richtigen Zeit.
Manchmal - beispielsweise als naturverbundene Studentin gegen Ende ihres Studiums - ist der Zeitpunkt dann vielleicht sogar ein wenig gefährlich, denn "Statt aus dem Fenster zu schauen" verleitet schnell zum eigenen Träumen: "Was wäre wenn...?"

Vor einem solchen "Was wäre wenn?" steht auch Sophie, die Protagonistin des Romanes zu dessen Beginn. "Was wäre, wenn ich morgen mein Praktikum, meine WG und mein altes Leben in München hinter mir lasse, um in ein renovierungsbedürftiges Haus mitten in der Natur am Allerwertesten von Nirgendwo zu ziehen?" Anstelle lange darüber nachzudenken, entscheidet sie impulsiv genau dies herauszufinden, und nimmt den Leser fortan auf der Findung nach Antworten mit. Gemeinsam mit Sophie erlebt man nun keineswegs ein spannendes Abenteuer, sondern ein gemeinsames, leises Ankommen - in ihrem neuen Leben, sowie den Gedanken, die es beim Lesen in einem selbst anstößt.
Das langsame Tempo eignet sich dabei perfekt für Lesezeit in der Sonne an den momentanen wärmer werdenden Frühlingstagen und lässt abschalten, vermag es dabei aber dennoch genug Neugier zu wecken, um immer weiterlesen zu wollen. Was macht Sophie aus dieser neuen Situation? Wie kommt sie zurecht? Das Interesse an ihrer Person und ihrem Vorhaben, das früh geweckt wird, trägt dabei die ruhige Handlung voran.
Der Schreibstil schafft währenddessen eine behagliche Atmosphäre, ist locker-leicht zu lesen und nimmt den Leser trotz des flachen Spannungsbogens stetig mit.
Nichtsdestotrotz muss man sich auf die Alltäglichkeit der Handlungen und die entschleunigende Wirkung des Buches einlassen, denn auf seinen rund 350 Seiten besitzt es keine Kapitel, von denen man "nur mal eben noch eines lesen" kann, ist lediglich dreigeteilt - meiner Meinung nach aber sehr passend zum Untermauern des Inhaltes.

Ein Aspekt, der mir das Buch wohl letztlich besonders nahe gebracht hat, ist wie persönlich es mich anzusprechen scheint. Als Studentin deren Studium sich langsam dem Ende neigt, konnte ich mich in Sophies Schwebezustand sehr gut wiederfinden. In dem Gefühl, zwischen Abschied und Neuanfang zu stehen, nicht sicher zu sein, wo die Reise denn hingehen soll, wie meine Wünsche alle unter einen Hut passen.
Und vielleicht habe ich deshalb genau diesen reminder gebraucht, den Sophies Entscheidung und deren Konsequenzen dem Leser geben, denke ich mir nun nach Beenden des Romans. Einen reminder, dass es okay ist, nicht immer zu wissen, wie die Zukunft aussehen soll, oder wohin das Leben gerade genau führt. Manchmal reicht es auch, einfach loszugehen. Den Rest schreibt die Zeit.


Fazit:
Ein Buch wie ein warmer Frühlingstag, das sich auch am besten in dieser Jahreszeit lesen lässt. Ein Neubeginn zum Neubeginn - und dabei ein klein wenig Träumen.
Ich vergebe letztlich 4/5 Sterne und spreche eine Leseempfehlung an jeden aus, der sich im Klappentext wiedererkennt.
Das Cover macht sich außerdem wirklich wunderhübsch im Regal!