Einfach mal alles hinschmeißen – und sich selbst wiederfinden

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
lili_1302 Avatar

Von

„Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel erzählt in ruhigen, fast schon zarten Tönen die Geschichte einer jungen Frau, die sich entscheidet, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Ohne große Planung kauft sie sich mit ihrem letzten Ersparten ein renovierungsbedürftiges Haus, das sie nicht einmal vorher gesehen hat. Mit kaum mehr als einer Tasche und ihrem Fahrrad wagt sie einen Neuanfang. Im Mittelpunkt steht dabei weniger das äußere Geschehen, sondern vielmehr ihr innerer Weg – ein langsames Ankommen bei sich selbst, geprägt von Zweifeln, kleinen Erfolgen und der Suche nach Ruhe.

Was mir besonders gefallen hat, ist die ehrliche und unaufgeregte Art, wie ihre Entwicklung beschrieben wird. Sie hat weder Geld noch Erfahrung, aber sie nimmt die Herausforderung an und schafft es, sich Stück für Stück ein Leben aufzubauen, das sich für sie richtig anfühlt. Dabei heilt sie – von was genau, bleibt offen, was es umso greifbarer macht. Diese leise, aber kraftvolle Entwicklung hat eine sehr inspirierende Energie.

Das Ende fühlt sich rund und stimmig an. Besonders hängen geblieben ist mir der Satz: „… ich will nicht vergessen, dass mein Kopf auch mit sich allein sein kann.“ Das bringt so schön auf den Punkt, dass es okay ist, sich zurückzuziehen und sich selbst auszuhalten. Und auch „und ich muss gar nichts, außer zu leben.“ hat etwas unglaublich Befreiendes. Insgesamt ein stilles, aber berührendes Buch, das zeigt, dass Neuanfänge oft im Kleinen beginnen.