Entschleinigung und Selbstfindung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
leseliebeundmeehr Avatar

Von

In „Statt aus dem Fenster zu schauen“ geht es um Sophie, die irgendwie im „was werden Modus“ feststeckt. Studium, Erwartungen, langweiliges Praktikum und das dringende Gefühl danach nicht immer nur aus dem Fenster zu schauen… und dann kommt dieser spontane Klick: Ein heruntergekommenes Haus für 3000 € irgendwo in der ostdeutschen Provinz. Hals über Kopf verlässt sie ihr altes Leben. Klingt nach Chaos, wird aber schnell zu einer ziemlich persönlichen Reise.

Was mir an Anna Katharina Scheidemantels Romandebüt richtig gut gefallen hat, ist ihr Schreibstil. Alles liest sich super flüssig, ruhig und irgendwie angenehm unaufgeregt. Man ist total nah an Sophie dran, weil sie selbst erzählt - sympathisch, ein bisschen naiv, aber mit genau der richtigen Portion Selbstironie. Ich musste mehr als einmal schmunzeln. Ihre Gedanken und Gefühle wirken ehrlich. Dieses hin und her zwischen Zweifel, Angst, kleinen Erfolgen und Momenten, in denen plötzlich alles ein bisschen leichter ist.

Stellenweise war mir die Geschichte ein bisschen zu romantisiert. So ein Hauskauf läuft dann doch nicht ganz so easy ab. Themen wie laufende Kosten oder Absicherung werden ziemlich ausgeblendet, was es teilweise etwas unrealistisch macht. Aber manchmal dürfen Geschichten eben auch so sein.

In diesem Roman passiert eigentlich gar nicht viel im klassischen Sinne aber das ist auch gar nicht der Punkt. Es geht nämlich ums Innehalten, ums Ausprobieren und ums Herausfinden, was man eigentlich selbst will. Statt aus dem Fenster zu schauen, ist ein ruhiger warmherziger Roman der Entschleunigung und auf seine Art Mut macht. Er hat mir sehr schöne Lesestunden beschert.