Freiheit mit Dachschaden

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la tina Avatar

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Dieses Buch war ein Experiment für mich. Normalerweise bevorzuge ich Romane, in denen ich mich in die Protagonist/innen hineinversetzen kann. Die mir von der Denkweise entweder ähnlich sind oder deren Entscheidungen ich zumindest nachvollziehen kann. In diesem Roman kauft die Studentin Sophie spontan ein Haus zu einem Spottpreis, über eine Online-Anzeige und am anderen Ende der Republik, mitten im Nirgendwo. Etwas, was ich nie gemacht hätte, da bin ich ehrlich. Da bin ich doch eher der auf-Nummer-sicher-gehen-Typ. Andererseits liebe ich es, andere Länder und Kulturen über Bücher kennen zu lernen. Also warum nicht mal eine Person mit völlig anderem Denk- und Handlungsmuster? Challenge accepted.
Ja, der Anfang war dann auch erstmal eine Herausforderung, wenn auch im positiven Sinne. Sophies Kann-man-mal-so-machen-Abenteuer hat mich zwar zunächst gefühlt auf jeder Seite denken lassen, das ist völlig schräg und unbedarft. Und dennoch auf gewisse Weise mutig. Mit der Zeit fand ich es sogar immer interessanter, sie bei ihren Erlebnissen und Gedanken zu begleiten. Was ich als äusserst positiv betonen möchte: Es gibt kein Mimimi, kein Ertrinken in Selbstmitleid oder Selbstvorwürfen. Vielmehr verbirgt sich in Sophie eine bodenständige Person, die eine gewisse Freude daran findet, selbst anzupacken, dazuzulernen und ihre kleinen Erfolge zu genießen. Und der Hintergrund, warum sie das Ganze überhaupt gemacht hat, wird mit der Zeit immer überzeugender: Der Wunsch nach Freiheit, nach einem Sprung aus dem Hamsterrad der viereckigen Häuser und Bildschirme.
Ein wirklich gelungenes Buch über den Gedanken, mal auszubrechen. Und wenn man sich das nicht selbst zutraut, kann man zumindest Sophie bei diesem Schritt begleiten. Lohnt sich, hätte ich nicht gedacht.