Lebenskrise oder Landidylle?

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smolsin Avatar

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2.5 | In Anna Katharina Scheidemantels Roman „Statt aus dem Fenster zu schauen“ begleiten wir die junge Studentin Sophie, die sich in einem monotonen Praktikum wiederfindet und zunehmend an ihrem eingeschlagenen Lebensweg zweifelt. Angetrieben von der Suche nach sich selbst, trifft die sonst so nachdenkliche junge Frau eine impulsive und radikale Entscheidung: Ohne diese zuvor besichtigt zu haben kauft sie eine verfallene Immobilie für gerade einmal 3000 Euro im Internet.
Der Einstieg ins Buch beginnt somit rasant und aussichtsreich, lässt jedoch im weiteren Verlauf der Handlung stark nach.

Die Leser:innen werden mitgenommen auf eine Reise zwischen Renovierungsarbeiten, Gemüseanbau und Viehhaltung. Zwar gerät Sophie zwischendurch des öfteren an ihre Grenzen, dennoch wird hier der Prozess der Renovierung insgesamt stark romantisiert. Trotz keinerlei Vorkenntnisse scheinen sich die Dinge für Sophie einfach zu fügen und wirken dadurch wenig überzeugend. Auch das komplette Ausbleiben des bürokratischen Aspekts, den ein Hauskauf nun einmal mit sich bringt, macht die Handlung recht unglaubwürdig.

Sophie ist als Hauptfigur sinnbildhaft für viele junge Erwachsene: mit ihren Selbstzweifeln, der Ziellosigkeit und der Frage, was sie eigentlich vom Leben erwartet können sich garantiert viele Leser:innen identifizieren. Andererseits wirkt sie doch recht eindimensional und schwer greifbar. Trotz ihrer introspektiven Art drehen sich ihre Gedanken mehr im Kreis, als das sie zu irgendwas führen. Mir fehlt hier die persönliche Entwicklung der Protagonistin und auch die Nebenfiguren wirken eher blass und klischeehaft.

Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht wirklich überzeugen. Weder der Schreib- noch der Erzählstil waren für mich stark genug, um die Ungereimtheiten der Geschichte auszugleichen. Die Idee hätte durchaus Potential gehabt, wurde aber zu unrealistisch dargestellt. Über weite Strecken plätscherte die Handlung vor sich hin, ohne, dass wirklich etwas passierte.

Wer eine ruhige, unaufgeregte Handlung sucht und über den ein oder anderen Logikfehler hinwegsehen kann, der wird sich bestimmt auf die Geschichte einlassen können und sich von der Atmosphäre überzeugen lassen.