Raus aus dem Alltag, rein in die Ruhe

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Was passiert, wenn du alles hinter dir lässt und plötzlich nur noch dich selbst hast?

Von München nach Brandenburg, nur das Nötigste im Gepäck und die Frage: bleiben oder zurückkehren? Genau hier setzt „Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel an.

Ein entschleunigender, atmosphärischer Roman, der sich fast wie ein Innehalten anfühlt. Sprachlich wirklich schön: fließend, poetisch, bildhaft. Man ist ganz nah dran an Sophie, ihren Gedanken, ihren Zweifeln. Gerade diese Innensicht macht das Buch so stark und gleichzeitig etwas anstrengend.

Denn: Die Selbstzweifel drehen sich irgendwann im Kreis. Entwicklung der Protagonistin? Kaum spürbar. Dazu kommen Figuren, die leider oft zu erwartbar bleiben: vom klischeehaften Nazi-Nachbarn bis zum „alle stehen auf ihn“-Typ aus der Schulzeit. Hier hätte ich mir mehr Mut und Vielfalt gewünscht und ein klares Zeichen, dass „der Osten“ eben nicht nur aus Klischees besteht.

Und ja, kleiner Architektinnen-Realitätscheck: Hauskauf & Sanierung bleiben sehr romantisiert – da ging mehr.

Trotzdem: ein intensiver Lesesnack für alle, die leise, introspektive Geschichten mögen, mit viel Gefühl, aber auch verpassten Chancen.