Rückzugsort

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bookworld91 Avatar

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Der Wunsch nach einem Rückzugsort gehört zu den Grundbedürfnissen vieler Menschen. So auch bei Sophie in „Statt aus dem Fenster zu schauen“, die ihr Praktikum hinwirft und sich ein Haus im grünen ersteigert.

Sophie hatte genug vom Leistungsdruck im Studium und Praktikum. So ersteigert sie aus einer Laune heraus ein baufälliges Haus im grünen. Schnell stellt sie fest, dass nicht alles so schön ist, wie es scheint…

Mir fiel der Einstieg in die Geschichte sehr leicht. Die Situation wirkt authentisch, als könnte sie regelmäßig irgendwo in Deutschland passieren. Es ist offensichtlich, dass Sophie mit dem Druck aktuell nicht klarkommt und die Reißleine zieht. So wie ihr geht es vielen Studenten mit wachsenden Druck- da ist Sophies Verhalten und vor allem ihr Wunsch nach Ruhe verständlich.
Das verständliche Verhalten ist einer der Gründe, warum Sophie als Protagonistin ideal für den Roman ist. Sie ist unerfahren, frei und vorerst ohne Plan. Das merke ich bereits bei der Schilderung der Zugfahrt und Sophies Erkenntnis, dass sie wenig über den Zielort weiß. Das ermöglicht es mir als Leserin, Sophie auf ihrer Reise zu begleiten.

Was es mir zusätzlich leicht macht, Sophie zu begleiten, ist die Sprache im Buch. Scheidemantel schreibt ruhig, sanft und gefühlvoll. Das passt zum Haus im grünen, wo Sophie zur Ruhe kommen und sich über ihre Gefühle und Wünsche im Klaren werden kann. Mag es in einem spanenden Krimi eher unangebracht sein, stützt die Sprache hier Setting und Handlung. Zudem regt die Sprache zum innehalten und reflektieren an- genau wie Sophie es tut.

Wer einen ruhigen, sanften Roman sucht, der zum nachdenken anregt, ist hier genau richtig. Ich finde den Roman hierfür super und gebe fünf Sterne.