Selbstfindung

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Statt bei vom Arbeitsplatz aus bei ihrem Praktikum aus dem Fenster zu schauen, wo draußen irgendwie das Leben an ihr vorbeizieht, bleibt Sophie - 25, aus München - auf Kleinanzeigen an einem Haus in Nordostdeutschland hängen. Besser gesagt, es ist eine Ruine im Niemandsland. Viel mehr kann man für 3000 Euro wohl auch nicht erwarten. Kurzentschlossen sagt sie zu, plündert ihre Ersparnisse und macht sich auf zu ihrem Eigenheim in der Provinz.

Sophies Verwandtschaft war sich immer sicher, dass aus ihr "etwas werden" wird. Dabei hat wohl niemand an einen selbst angelegten Gemüsegarten und fünf Hühner neben einem verfallenen Haus in Ostdeutschland gedacht. Doch Sophie musste raus, raus aus den festgefahrenen Bahnen, dem Leistungsdruck und der Erwartungshaltung von Freunden und Familie. Was ist ihre Auszeit? Ein Hilfeschrei? Eine Quarterlife-Crisis? Und was heißt es überhaupt, "etwas zu werden"? Bedeutet es nicht auch im Umkehrschluss, dass aus allen denen, die nach Schule und Ausbildung oder Studium nicht in die Großstadt gegangen sind, keine aufstrebende Karriere eingeschlagen haben, nichts geworden ist?
Diesen zentralen Fragen stellt sich Sophie in ihrer Auszeit. Dabei ist sie mir als Person sehr ans Herz gewachsen. Sie ist nahbar, klug und mutig. Allesamt Eigenschaften, die alleine schon bescheinigen, dass aus ihr "etwas geworden ist", wenn nicht beruflich, dann aber auf jeden Fall als Mensch!