Selbstfindung in der ostdeutschen Provinz

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la calavera catrina Avatar

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Aus einem Impuls heraus kauft Sophie ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Provinz. Das Do-it-Yourself-Projekt stellt sie vor Herausforderungen, gibt ihr aber auch Zeit, herauszufinden, was ihr wirklich wichtig ist - allein und ohne Fremdeinfluss.

Mit der Botschaft, dass man nicht alles auf einmal entscheiden muss und sich oft auch erstmal ausprobieren kann, erzählt die Autorin Anna Katharina Scheidemantel eine Coming-of-Age-Story einer jungen Frau, die auf der Suche nach Klarheit, Heilung und Sinnhaftigkeit ist.
Sophie macht als Selbstversorgerin alles selbst, ob Garten, Nutztiere oder Renovierung, und lernt viel über die Natur, das Landleben und sich selbst. Anna Katharina Scheidemantel erzählt vom wachsendem Selbstbewusstsein, aber auch von Misserfolgen, Pech und Selbstzweifeln. Sophies Freunde und Bekannte bieten immer wieder einen Ausbruch aus diesem Prozess und zeigen ihr andere Blickwinkel auf. Man kann sich gut in Sophie hineinversetzten und vieles, mit dem sie sich auseinander setzt, war mir vertraut. Das Gefühl der Freiheit, das weit mehr ist als nur eine Auszeit, und die Frage, wie es weitergehen soll. Ihre Gedanken, Gefühle und Erkenntnisse, gepaart mit einem ironischen Ton und einem locker-flockige Schreibstil, haben mir gut gefallen.
Mit dem Ende war ich sehr zufrieden und blicke auf ein tiefgreifendes Leseerlebnis zurück, was mich runtergeholt und Sophie näher gebracht hat. Es werden interessante Fragen aufgeworfen, die zur Selbstreflexion einladen, wenn man möchte. Es ist aber auch ein einfühlsam geschriebenes Buch, das sich in seiner Gesamtheit sehr stimmig, klar positioniert und sorgfältig ausgearbeitet anfühlt. Deshalb und aufgrund der relevanten gesellschaftlichen Themen würde ich es uneingeschränkt weiterempfehlen.