Wunderbares Debüt!

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söphken Avatar

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Schon nach wenigen Seiten war ich ganz in der Geschichte angekommen. Der Schreibstil von Anna Katharina Scheidemantel hat etwas ungemein Fließendes, fast Leichtes, und doch steckt in jedem Satz Tiefe. Ich bin sofort in Sophies Welt eingetaucht und habe schnell eine echte Nähe zu ihr gespürt. Vielleicht auch, weil wir den gleichen Vornamen tragen. Besonders der Moment, in dem sie zwischen ihren endlosen Excel-Tabellen sitzt, sich langweilt und kaum fassen kann, dass sie gerade ein Haus für 3.000 Euro gekauft hat, blieb mir lange im Kopf.

Es ist faszinierend, sie dabei zu begleiten, wie sie aus der vermeintlichen „Bruchbude“ Schritt für Schritt ein Zuhause macht. Und dabei eigentlich etwas noch Wichtigeres findet: sich selbst. Wie Sophie lernt, sich vom gesellschaftlichen Druck und den Erwartungen ihrer Eltern zu lösen, um einfach sie selbst zu sein, hat mich sehr berührt. Beim Lesen hatte ich sogar kurz das Gefühl, am liebsten selbst an die Ostsee ziehen zu wollen. Die Atmosphäre des Ortes ist so lebendig und greifbar beschrieben, dass man die Landluft beinahe riechen kann. Genauso wird aber auch die "Einsamkeit" des Dorflebens deutlich, an die man sich erst gewöhnen muss (vor allem, wenn man das ständige Treiben der Großstadt gewöhnt ist).

Für mich ist Statt aus dem Fenster zu schauen ein rundum gelungenes Debüt, das auf leise, kluge und berührende Weise vom Loslassen und Neuanfangen erzählt. Der Roman hat einen festen Platz in meinem Bücherregal verdient.