Bridgerton aber mit Hexerei

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blueamalthea Avatar

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Es gibt inzwischen unzählige Versionen von Jane Austens Stolz und Vorurteil, sei es als Buch, Graphic Novel, Serie oder Film und alle halten sich an Elizabeth als Protagonistin. Ihre jüngste Schwester Lydia bleibt das impulsive Nesthäkchen, welches auf die eine oder andere Art und Weise dem „bösen Widersacher“ des Mr. Darcys anheimfällt. Gähn.

Melinda Taub geht die Geschichte um die Bennet Schwestern in ihrem Roman „Stolz, Vorurteil & Hexerei – Die skandalösen Geheimnisse der Lydia Bennet“ mal erfrischend anders an. Nicht nur, dass wir hier noch eine gehörige Portion Magie präsentiert bekommen, endlich erfahren wir die ganze Geschichte mal aus Lydias Sicht.

Der Schreibstil der Autorin und somit der Ton unserer Protagonistin ist dabei herrlich flapsig und eindeutig moderner, als es zu der Zeit üblich war. Ich habe mich beim Lesen immer wieder an Bridgerton, aber auch an Stolz, Vorurteil und Zombies erinnert gefühlt. Taub gelingt es, die vertraute Welt der Bennets in ein dichtes Spiel aus Geheimnissen, Identitätsfragen und Machtmanövern zu verwandeln, sodass sich die Leserinnen und Leser zwischen Maskerade und Offenbarung bewegen, alles natürlich im Rahmen der Regency-Ära mit all ihren aufwendigen Kostümen, die bildgewaltigen Bällen und harschen Anstandsregeln. Sie versteht es dabei, eine herrliche Balance zwischen den Problemen der Erbschaftsregelung und der Etikette, aber auch dem Fantasy-Anteil und Charakterentwicklung zu halten. Man bekommt weder Zahnschmerzen von all dem Kitsch, noch hat man plötzlich das Bedürfnis, man müsse alle BHs verbrennen. Ein netter Spagat zwischen den Lagern der Romance und Romantasy Leser.

Die Charaktere und ihre Handlungen sind für meinen Geschmack manchmal etwas zu melodramatisch, aber das ist einfach dem Kontext des Regency-Rahmens geschuldet. Elizabeth und ihre Vorurteile gehen mir auch in dieser Version schrecklich auf den Zeiger, aber Taub schafft es durch Lydia sogar dafür Verständnis in mir zu wecken. Ich musste sehr schmunzeln, dass Wickham hier mal als das dargestellt wurde, was er für mich auch in all den anderen Werken immer war – ein Dämon.

Ohne spoilern zu wollen – ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht, ein klassisches Austen Ende sozusagen, aber auch hier macht Taub es anders, nicht schlechter, aber eben anders.
Trotzdem ein zufriedenstellendes Leseerlebnis und allein schon wegen des Banters lohnenswert.