Ein wilder Ritt, der aufgeht

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Natürlich kenne ich „Stolz und Vorurteil“, doch auch wenn mir „Stolz und Vorurteil und Zombies“ eindringlich empfohlen wurde, habe ich es bislang ausgelassen. Ich mag Austens Romane, würde mich aber nicht als „ultimativen Fan“ bezeichnen. Dies vorangeschickt, war ich neugierig, wie sich diese „Übersetzung ins Fantastische“ liest.

Worum es geht, sei sehr knapp umrissen, da die Handlung an sich hinlänglich bekannt sein dürfte. Das Interessante an dieser Adaption ist der Umstand, dass sie Lydia Bennetts Leben und in guten Teilen auch aus ihrer Perspektive erzählt wird, die dank ihres Alters noch weniger Pflichten unterworfen ist und die deshalb frei von der Leber weg berichten kann. Und das tut sie, erlebt sie die Welt um sie herum doch ganz anders, denn sie ist eine Hexe und mit entsprechenden magischen Fähigkeiten ausgestattet. So kämpft sie denn statt mit Bällen, Kleidern, Tanzkarten und den Mr. Darcys dieser Welt mit Lord Wormenheart und der Gunst, die sie ihm gewährte.

Wenn das ein wenig kryptisch und abenteuerlich klingt, ist das vollends beabsichtigt. Denn von diesem Buch sollte man auf keinen Fall zu viel verraten, weil man es selbst lesen sollte – zumindest wenn man ein gewisses Faible für die Austenschen Gesellschaftsromane hat, sie einem aber zu „langsam“ sind. Durch das magische Element bringt Melinda Taub eine frischen Wind und Witz in die Geschichte: ein wilder Ritt, ja, aber er geht auf. Alles, was die Vorlage mitbringt, findet sich auch hier, nur bunter: Es geht natürlich um Romantik, Erwartungen, man taucht in die Regency-Welt mit ihren Zwängen und ihrer durchaus ironisch kritisierten höflichen Fassade ein, bekommt darüber hinaus aber auch Dämonen, Hexen und Geheimgesellschaften mit allen damit einhergehenden Motiven von Zauber über Gefahr zu Intrigen geliefert. Das Ganze vermengt Taub in einem äußerst originellen Schreibstil, der zwar an die Regency-Zeit erinnert, zugleich aber auch die Magie-Elemente geschickt einbindet, sodass man geradezu durch die annähernd 500 Seiten fliegt und sich am Ende wünscht, dass sie sich auch weitere Romane dieser Zeit bzw. des Genres vorknöpft. Da „Stolz, Vorurteil und Hexerei“ allerdings nicht an meine absolute Lieblingsreihe mit ähnlichem „Neuigkeits-Potential“ heranreicht, gibt es 4,5 abgerundete Sterne.