Lydias Geschichte

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coni90 Avatar

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Wir alle kennen Lydias Rolle in Jane Austens Roman "Stolz und Vorurteil": Sie ist impulsiv, naiv und sorgt mit ihrer Verbindung zum Hallodri George Wickham für einen der Hauptkonflikte der Geschichte. Doch was wäre, wenn Lydia in Wahrheit eine Hexe wäre und es für ihre Verbindung zu Wickham ganz andere Motive gäbe? Genau mit dieser Idee setzt sich Melinda Taub in ihrem Roman "Stolz, Vorurteil und Hexerei" auseinander.

Der Roman basiert auf den bekannten Ereignissen aus "Stolz und Vorurteil", erzählt die Geschichte jedoch aus Lydias Perspektive. Sie berichtet in Briefform, was ihr widerfahren ist, wobei ihre Schwester Kitty eine Katze und als ihre Gefährtin an ihrer Seite ist. Dabei erfahren wir mehr darüber, wie Lydia zur Hexerei kam, welche Hintergründe ihre Verbindung zu Wickham hat und was nach den bekannten Ereignissen aus Jane Austens Roman noch passiert.

Positiv überrascht hat mich, wie nah die Geschichte trotz des Fantasy- und Hexereianteils am Original blieb. Auch der Schreibstil war deutlich an Jane Austen angelehnt, wirkte auf mich dabei aber moderner, was mir gut gefallen hat. Besonders schön fand ich außerdem, dass Darcy und Lizzy nicht im Mittelpunkt standen. Ihre Geschichte wurde größtenteils nur am Rande erwähnt, sodass Lydia tatsächlich ihre eigene Handlung bekam und nicht lediglich eine Nebenfigur aus dem Original blieb.

Lydia erhielt dadurch eine deutlich größere und interessantere Rolle. Trotzdem ist sie mir auch hier nicht unbedingt sympathisch geworden. Ihre bekannten Charakterzüge blieben bestehen, was allerdings sehr gut zu ihrer Darstellung im Original passte. Insofern fand ich die Neuinterpretation und tiefergehende Beleuchtung ihrer Figur durchaus gelungen. Ein kleiner persönlicher Höhepunkt war für mich jedoch Darcys Schwester. Ich mochte ihre sarkastische und humorvolle Art sehr gerne und hätte mir tatsächlich noch viel mehr Szenen mit ihr gewünscht.

Auch die Fantasy-Elemente hatten einige interessante Ansätze und Ideen, konnten mich aber leider nicht vollständig fesseln. Mein größtes Problem waren die Längen. Da Lydia in Briefform sehr ausführlich über ihre Erlebnisse berichtete, zog sich die Geschichte für mich stellenweise ziemlich in die Länge. Ich bin überraschend langsam vorangekommen und habe deutlich länger gebraucht, um das Buch zu beenden, als ich erwartet hatte. Dadurch ging leider auch ein wenig die Spannung verloren. An einigen Stellen hätte die Geschichte für mich deutlich spannender und temporeicher sein können.

Sehr gut gefallen hat mir dagegen der Anhang mit den Anmerkungen der Autorin, in dem sie darstellt, welche Legenden und historischen Elemente tatsächlich existierten und welche für die Geschichte von ihr erfunden wurden. Solche zusätzlichen Informationen mag ich bei historischen oder von Geschichte und Legenden inspirierten Romanen generell sehr gerne und so rundete dies für mich das Leseerlebnis auch hier ab.

Insgesamt hatte "Stolz, Vorurteil und Hexerei" für mich viele gute Ideen und einen interessanten Ausgangspunkt. Die Verbindung von Jane Austens Original mit Fantasy hat für mich überraschend gut funktioniert und ich mochte, dass Lydia hier ihre ganz eigene Geschichte bekam. Leider konnten die vielen Längen und die teilweise sehr ausführliche Berichterstattung nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass mich die Geschichte nicht so richtig gefesselt hat. Dennoch empfinde ich den Fantasy-Roman als lesenswert und ich vergebe gerne 3,5/5 Sternen.