Magisch...

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vonnikind Avatar

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Lydia Bennet, die jüngste der fünf Bennet-Schwestern, steht im Mittelpunkt von Melinda Taubs „Stolz, Vorurteil und Hexerei“. Während Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ vor allem die Liebesgeschichte von Elizabeth und Darcy erzählt, bekommt hier ausgerechnet Lydia die Gelegenheit, ihre eigene Version der Ereignisse zu schildern. Dabei zeigt sich, dass hinter ihrer scheinbar oberflächlichen und leichtsinnigen Art weit mehr steckt: Lydia ist eine Hexe, ihre Schwester Kitty ist in Wahrheit eine Katze und Wickham ein Dämon.

Besonders ungewöhnlich fand ich die Erzählstruktur. Die Sprünge zwischen den beiden Erzählebenen waren für mich zunächst etwas verwirrend. Man muss sich erst daran gewöhnen, zwischen Lydias Rückblicken und den Ereignissen der Gegenwart hin und her zu wechseln. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit funktioniert dieser Aufbau jedoch immer besser und fügt sich sinnvoll in die Geschichte ein.

Spannend ist vor allem, wie Taub mit Austens Vorlage umgeht. Der Roman erzählt „Stolz und Vorurteil“ nicht einfach mit etwas Magie nach, sondern verschiebt den Blickwinkel grundlegend. Lydia, die bei Austen eher als unreif, eitel und verantwortungslos erscheint, erhält eine eigene Stimme und damit auch eine wesentlich größere Tiefe. Dadurch verändern sich zwangsläufig auch die bekannten Figuren und Ereignisse: Was im Original nebensächlich oder rätselhaft bleibt, bekommt aus Lydias Perspektive eine neue Bedeutung.

Gerade für Leserinnen und Leser, die „Stolz und Vorurteil“ gut kennen, liegt darin ein besonderer Reiz. Taub spielt mit vertrauten Szenen und Figuren, ohne sich akribisch an Austens Handlung zu halten. Die Hexerei wirkt dabei nicht bloß wie ein aufgesetztes Fantasy-Element, sondern wird geschickt mit den Figuren und ihren Konflikten verbunden. Insgesamt ist „Stolz, Vorurteil und Hexerei“ eine originelle und unterhaltsame Neuinterpretation, die vor allem durch Lydias ungewohnte Perspektive überzeugt.