Verspielt, humorvoll aber mit einigen erzählerischen Stolpersteinen

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Schon das Cover von "Stolz, Vorurteil & Hexerei – die skandalösen Geheimnisse der Lydia Bennet" hat mir sehr gut gefallen. Die sandfarbene Grundfarbe in Kombination mit den blauen Ornamenten und Mustern wirkt verspielt und passt meiner Meinung nach richtig gut zur Geschichte. Auch die Silhouetten der beiden Personen fügen sich schön in die Gestaltung ein.

Die Handlung ist, wie der Titel schon vermuten lässt, an Jane Austens "Stolz und Vorurteil" angelehnt. Das Original habe ich nie gelesen, bin aber mit der Rahmenhandlung vertraut (Wikipedia sei Dank). Daher kann ich aber leider keinen direkten Vergleich ziehen.

Die Geschichte wird größtenteils aus der Perspektive von Lydia Bennet, der jüngsten der Bennet Schwestern, erzählt. Es macht den Eindruck, als würde Lydia selbst ein Buch oder einen längeren Brief verfassen und darin von vergangenen Ereignissen, beginnend in ihrer Kindheit, berichten. Besonders gelungen fand ich, dass sie dabei immer wieder die „vierte Wand“ durchbricht und die Leserinnen und Leser direkt anzusprechen scheint. Das verleiht der Erzählung eine persönliche Note.

Der Schreibstil ist grundsätzlich flüssig und angenehm zu lesen. Es ist sehr humorvoll und teilweise auch selbstironisch geschrieben, das hat mir bereits an der Leseprobe gut gefallen. Allerdings hatte ich gerade zu Beginn Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Die Handlung wirkte stellenweise etwas langatmig, da Lydia häufig abschweift und immer wieder kleinere Erzählfetzen einwirft. Hinzu kommt die ungewöhnliche Erzählstruktur: Neben den vergangenen Ereignissen, von denen Lydia berichtet, gibt es eine Handlungsebene in ihrer Gegenwart. Dadurch werden teilweise Figuren erwähnt, die in ihren bisherigen Erzählungen noch gar nicht eingeführt wurden. Das machte es für mich anfangs etwas schwierig, diese Charaktere und ihre Handlungen einzuordnen und zu bewerten.

Ab etwa der Mitte des Buches wurde es für mich jedoch deutlich besser und spannender. Die verschiedenen Erzählstränge nähern sich zunehmend an und nach und nach beginnen sich die einzelnen Puzzleteile zusammenzufügen. Dadurch hat die Geschichte für mich an Fahrt aufgenommen und konnte mich schließlich deutlich mehr fesseln.

Insgesamt ist es für mich eine süße, humorvolle Geschichte, mit einer etwas ungewöhnlichen Erzählweise, über Freundschaft, Verrat und Vergebung – und mit einer Prise Romantik. Trotz des etwas zähen Einstiegs hat sich das Weiterlesen für mich gelohnt. Anzügliche Andeutungen sind vorhanden, werden aber sehr subtil und passend zum gesellschaftlichen Rahmen des 19. Jahrhunderts vermittelt. Wer historische Settings, humorvolle Geschichten und ungewöhnliche Erzählperspektiven mag und sich auf eine etwas verschachtelte Erzählweise einlassen kann, dürfte mit diesem Buch seine Freude haben.

Mein Fazit: Trotz einiger Schwächen hatte ich letztendlich viel Freude an der Geschichte und würde sie daher mit 4 von 5 Sternen bewerten. Ein verspielter und unterhaltsamer Roman mit sympathischer Erzählstimme, der besonders ab der Mitte deutlich an Spannung gewinnt. Von mir gibt es eine Empfehlung für Leserinnen und Leser, die Lust auf eine humorvolle, etwas andere Geschichte im Umfeld von Jane Austens Welt haben.