Beklemmung im Grenzgebiet

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buecher.und.baklava Avatar

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„Und hätten sie nicht schon geschwiegen, spätestens jetzt hätte es ihr die Sprache verschlagen.“

Kriminaloberkommissarin Lena wird von Berlin nach Misdroy an der polnischen Ostsee beordert, um in einem Fall zu ermitteln, der länderübergreifend von Interesse ist. Gemeinsam mit dem schweigsamen Adam soll sie nicht nur einen Mord, sondern auch einen Vermisstenfall aufklären – und muss sich dabei Intrigen, Gefahren und ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

Die Geschichte hat mich direkt angesprochen, was vermutlich auch daran lag, dass ich erst vor wenigen Monaten selbst ein paar Tage in der Nähe von Misdroy verbracht habe und die Örtlichkeiten beim Lesen somit direkt vor Augen hatte. Sowas liebe ich ja!

Die Handlung beginnt unvermittelt und die Spannung ist vom ersten Moment an gegeben, das Tempo ist durchweg eher schnell und dennoch gibt es zahlreiche Situationen, die eher von Ruhe und Gedanken geprägt sind.

Adam blieb mir zwar etwas fremd, aber in ihn konnte ich mich dennoch hineinversetzen – ganz im Gegensatz zu Lena, die mich von Anfang an eher genervt hat. Das fand ich sehr schade, denn ihre Figur transportiert zahlreiche wichtige Aspekte und die Idee dahinter mochte ich total gerne. Leider empfand ich sie trotzdem primär als sehr störrisch, vorurteilsbeladen, selbstmitleidig und oberflächlich; ihre Biografie begründet diese Verhaltensweisen, doch sie scheint erst gegen Ende etwas an sich ändern zu wollen – das liefert natürlich einiges an Potenzial für den nächsten Band, doch ich hätte mir ein bisschen mehr Reflektion auch schon in „Strandopfer“ gewünscht.

„Wer bin ich schon, dachte sie. Niemand, nichts. [...] Coole Sonnenbrille, Tablet, Dienstwaffe, BKA. Dahinter nichts.“

Die anderen Figuren konnte ich teilweise kaum auseinanderhalten, aber das war nicht weiter schlimm, denn die Dynamik zwischen ihnen kam dennoch zur Geltung. Die beklemmende Atmosphäre in dem Ferienhaus und auch die Grenzüberschreitungen (im wahrsten Sinne des Wortes), beispielsweise im Kontext des immer wieder thematisierten Bernsteins, empfand ich als genauso spannend wie das Lost-Place-Setting zwischendurch.

Das Ende kam für mich relativ überraschend, auch wenn vielleicht manches darauf hindeutete, und ich würde es auch als plausibel einstufen. Abgesehen von der unreflektierten Protagonistin habe ich keine größeren Kritikpunkte, so dass ich 8/10 Punkten und eine Empfehlung für Fans klassischer Krimis und Ostsee-Reisende vergebe.