Bernstein-Opfer

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annabell95 Avatar

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Lena Schuldt wird an die polnische Ostseeküste geschickt, weil ein deutscher Urlauber tot am Strand liegt. Was wie ein Unfall aussieht, wird sofort rätselhaft, als man einen großen Bernstein im Mund des Toten findet. Nur kurze Zeit später wird die zehnjährige Luisa, die Tochter einer Bekannten des Verstorbenen, als vermisst gemeldet. Gemeinsam mit dem polnischen Ermittler Adam Krawczyk nimmt Lena die Urlaubergruppe in einer Villa ins Visier. Alle wirken nervös, jeder hat Geheimnisse, und niemand sagt die ganze Wahrheit. Als ein zweiter Mensch unter denselben mysteriösen Umständen stirbt, wird klar, dass ein Täter gezielt zuschlägt und dass die Zeit knapp wird, um Luisa zu finden.

"Strandopfer" ist der Auftakt in eine neue Krimi-Reihe mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo.

Die Grundidee mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo, kulturellen Reibungspunkten und der Ostsee-Atmosphäre ist sehr interessant, doch leider war die Handlung selbst etwas durchwachsen und Potenzial ging verloren.

Ansich lässt sich der Schreibstil ganz gut und flüssig lesen. Da die Handlung sich an der polnischen Ostseeküste abspielt, werden auch polnische Ausdrücke und Sätze eingebaut, die aber leicht zum Stolperstein werden und dadurch den Lesefluss hemmen.

Die Handlung wird hauptsächlich aus der Perspektive von Lena erzählt. Es plätschert eher vor sich hin, als dass wirklich ermittelt wird. Viele Szenen verlieren sich in Nebensächlichkeiten, Wiederholungen ziehen sich durch das Buch, und die Entscheidung, ausschließlich aus Lenas Perspektive zu erzählen, nimmt der Geschichte auf Dauer die nötige Spannung. Ein Perspektivwechsel hätte hier viel Dynamik bringen können.

Sehr geprägt wurde die Handlung von Vorurteilen gegenüber Polen. Sie nahmen etwas überhand und irgendwann haben sie nur noch genervt.

Über die Hauptprotagonistin Lena erfährt man in diesem Band schon sehr viel. Ihre schwierige Kindheit macht sie greifbar, aber ihre Vergangenheit wird so ausführlich und so oft wiederholt erzählt, dass der eigentliche Fall immer wieder in den Hintergrund rückt. Adam dagegen bleibt noch sehr blass. Man erfährt kaum etwas Privates über ihn, was die Dynamik des Duos unausgewogen wirken lässt.

Mein Fazit:
Ein Krimi mit interessanter Grundidee und atmosphärischem Stil, der sich aber zu sehr in Vorurteilen, Wiederholungen und Lenas Vergangenheit verliert. Die Spannung bleibt auf der Strecke, was sehr schade ist, denn das Ermittler-Duo hätte viel Potenzial.