Aufwühlend, stürmisch und sehr einfühlsam geschrieben
Aufwühlend, stürmisch und sehr einfühlsam geschrieben
Der Auftakt der Sturmland-Saga von Miriam Georg hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Das Buch ist von rororo und das Cover passt wunderbar dazu. Toll ist der Softcover Einband, bei dem am Anfang nach dem Umklappen die Insel Norderney um 1800 zu sehen ist.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und sehr atmosphärisch, sodass ich schnell in die Geschichte eintauchen konnte.
Im Mittelpunkt steht Cora, die Tochter einer Hamburger Reedersfamilie, die aus ihrem bisherigen Leben fliehen muss und unter falschem Namen eine Stelle als Hauslehrerin auf Norderney annimmt. Schon kurz nach ihrer Ankunft gerät sie gemeinsam mit ihrer Schülerin Emmi in eine gefährliche Situation. Der Tagelöhner Onnen beobachtet das Unglück und wird schließlich dazu gebracht, mit Cora zusammenzuarbeiten. Zwischen den beiden entwickelt sich eine besondere Verbindung, doch beide tragen Geheimnisse mit sich herum, die ihr Glück bedrohen.
Besonders gut gefallen haben mir die Charaktere. Cora war für mich eine sehr greifbare Figur, deren Wünsche, Ängste und Konflikte nachvollziehbar dargestellt wurden. Auch Onnen ist vielschichtig beschrieben und seine verschlossene Art macht neugierig auf seine Vergangenheit. Miriam Georg gelingt es, die Figuren lebendig wirken zu lassen und ihre Schicksale miteinander zu verknüpfen.
Sehr gelungen fand ich außerdem den historischen Hintergrund. Die Autorin vermittelt eindrucksvoll das Leben um 1860, die schwierigen Bedingungen auf den Nordseeinseln und die großen gesellschaftlichen Unterschiede dieser Zeit. Themen wie die eingeschränkten Möglichkeiten von Frauen, der Wunsch nach Selbstbestimmung, die Bedeutung von Bildung und die Arbeit der Inselhebammen werden anschaulich in die Handlung eingebunden.
Die Liebesgeschichte zwischen Cora und Onnen ist zwar früh erkennbar, verliert dadurch aber nicht an Spannung. Ihre Beziehung steht unter schwierigen Bedingungen, und die Ereignisse zeigen, dass ein gemeinsames Glück nicht selbstverständlich ist.
Lesezeichenfees Fazit
„Sturmland“ hat mich mit seiner atmosphärischen Darstellung, den starken Figuren und dem gut eingefangenen historischen Hintergrund überzeugt. Der Roman unterhält nicht nur, sondern vermittelt gleichzeitig interessante Einblicke in die Lebensumstände vergangener Zeiten. Das dramatische Ende hat mich (fast nicht) überrascht und lässt viele Fragen offen, sodass ich den zweiten Band der Sturmland-Saga unbedingt lesen muss.