Der Beginn des Seebäder-Tourismus

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Dieser erste Teil eines neuen Zweiteilers von Miriam Georg hat aus mehreren Gründen sofort mein Interesse geweckt. Es wird durch Titel und Covergestaltung direkt deutlich, dass es sich um einen historischen Roman handelt, der am Meer spielt. Außerdem haben mir die bisherigen Bücher der Autorin sehr gut gefallen und, dass die Handlung sich in Hamburg und auf den Ostfriesischen Inseln Norderney und Borkum abspielt, finde ich sehr spannend, da Hamburg grundsätzlich ein toller Schauplatz ist, ich aber auch die Ostfriesischen Inseln liebe und schon mehrmals auf Norderney und Borkum war. Daher fand ich es besonders spannend, mich beim Lesen auf eine Zeitreise zu begeben und mehr darüber zu erfahren, wie es auf diesen Inseln vor über 100 Jahren zuging.

Protagonistin ist die Reedertochter Cora, die bisher wenig Glück in der Liebe hatte und nun auch noch ihre Mutter verloren hat. Sie beschließt, heimlich aus Hamburg zu verschwinden, indem sie unter falschem Namen eine Stelle als Hauslehrerin für die Tochter eines Hamburger Architekten annimmt, der auf Norderney am Bau des neuen Conversationshauses mitwirkt. Auf der Insel lernt Cora den von Borkum aus einfachen Verhältnissen stammenden Onnen kennen, den sie zunächst nicht leiden kann, was sich aber im Lauf der Zeit ändert.

Mir hat die Konstruktion der Geschichte sehr gut gefallen, nicht nur die Geschichte der beiden Hauptpersonen Cora und Onnen steht im Mittelpunkt, sondern man erfährt auch sehr viel über das harte Leben auf den Inseln zu der Zeit, als der Seebäder-Tourismus erst langsam anfing. Frauen, deren Männer früh verstorben waren, mussten, um zu überleben, alle Zimmer ihres Hauses an Sommergäste vermieten, während sie selbst im Schuppen oder einer kleinen Kammer wohnten. Viele Männer riskierten auf See ihr Leben, eine organisierte Seenotrettung gab es trotz aller Gefahren noch nicht. Auch die medizinische Versorgung war damals unzureichend. Im Roman findet sich auch viel Lokalkolorit, indem immer wieder prägende Gebäude beider Inseln, wie das Conversationshaus auf Norderney oder der Borkumer Leuchtturm und auch geographische Begebenheiten eine Rolle spielen. Cora als starke Persönlichkeit, die sich nicht in das starre Korsett, wie sich eine Tochter aus besserem Hause damals zu verhalten hatte, pressen lässt, ist mir sehr sympathisch.

Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt anschaulich und gut lesbar. Ich habe das Hörbuch gehört und empfand die Sprecherin als gut gewählt und zur Stimmung der Geschichte passend. Man konnte ihren Erzählungen sehr gut folgen. Nun bin ich schon sehr gespannt auf den zweiten Teil und hoffe, man muss nicht zu lange auf dessen Erscheinen warten. Besonders empfehlenswert ist der Roman natürlich für einen Inselurlaub auf den Ostfriesischen Inseln oder für Liebhaber dieser Gegend, weil man doch einiges über die Vergangenheit dieser Orte erfährt, was man bisher vielleicht noch nicht wusste.