Eine mutige Frau

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theagri_liest Avatar

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Vor kurzem las ich Die Verlorene von Miriam Georg mit großer Begeisterung. Daher war ich auf ihr neues Buch sehr gespannt. Und da ich gern mal ich vergangene Zeiten abtauche, sprach mich auch die Thematik sehr an.

In den 1860ger Jahren waren die gesellschaftlichen Normen und Zwänge für alle, besonders die Frauen, sehr einengend. Und wer gegen diese verstieß, wurde geächtet und verstoßen. Vor diesem Hintergrund kann man die Geschichte einordnen und verstehen.
Auch Cora unterliegt diesen Zwängen. Wir lernen die Mittdreißigerin im Haus ihres gutbürgerlichen Vater kennen. Zunächst wird nicht erläutert, warum Cora Hamburg verlässt und was sie bewegt, dieser Enge zu entkommen und selbst für sich zu sorgen.

Der Beginn der Geschichte um Cora ist interessant und man wartet gespannt auf die Gründe für ihr Handeln und wird überrascht.

Abwechselnd und chronologisch wird aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten berichtet, bis auf kurze Rückblicke, die dem Verständnis dienen. Das ist abwechslungsreich und gibt ein breites Spektrum über die Geschehnisse. Es gibt viele Problematiken der damaligen Zeit, die in dieser Geschichte authentisch und mitfühlend verarbeitet werden. Besonders erschüttert die Stellung der Frau, die dem Patriarchat unterworfen war. Geschildert wird das Leben in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen, vom gutbürgerlich in Hamburg bis zur Landbevölkerung auf Norderney. Atmosphärisch dicht und glaubhaft erschafft Miriam Georg eine Welt, in die man tief eindringen kann, die erschüttert, Mitgefühl und Empörung weckt.

Miriam Georg's Schreibstil erweist sich erneut als sehr gut und kenntnisreich. Sie versetzt punktgenau in die Zeit, die sie so gut schildert. Die Sprache der Dialoge ist passend und klingt altdeutsch. Mit einzelnen Worten und Redewendungen wird dieser Eindruck erzeugt. Währenddessen wird die Geschichte flüssig und harmonisch, gut verständlich erzählt und ist historisch ausgezeichnet recherchiert.

Mich hat diese Geschichte sehr angesprochen und bewegt. Vom ersten Satz bis zum Ende des Hörbuchs gab es für mich keine Längen. Die Naturschilderungen der Inseln und des Meeres haben mich fasziniert. Authentisch und nachfühlbar.

Zudem spricht Tanja Fornaro das Hörbuch gut, flüssig und ohne große Übertreibungen in der Stimme bei Gefühlen und spannenden Situation. Auch Dialoge und Zeiten kann man gut unterscheiden. Nachdem ich mich eingehört hatte, habe ich die Geschwindigkeit etwas schneller eingestellt. Das war dann noch angenehmer.

Gern werde ich auch den zweiten Teil der Diologue lesen, der in wenigen Monaten erscheint.