Fesselnder Auftakt über die Unberechenbarkeit der Nordsee und der Liebe

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Im Rowohlt Verlag erscheint Miriam Georgs Roman Sturmland, der erste Band der historischen Sturmland-Reihe.

Die Reedertochter Cora flieht aus ihrem fremdbestimmten Leben in Hamburg und nimmt unter falschem Namen eine Stelle als Hauslehrerin im Seebad Norderney an. Unbedarft bringt sie sich und ihre Schülerin Emmi in Gefahr und wird vom Tagelöhner Onnen gerettet. Beide könnten von ihrer Bildung und Lebensbedingungen kaum unterschiedlicher sein. Onnen hegt ein Gemeinmis, dass ihn immer wieder auf seine Heimatinsel Borkum führt und Cora versucht, ihre Vergangenheit zu verbergen.



Der flüssige und bildhafte Erzählstil Miriam Georgs hat mich durch den Roman fliegen lassen. Sie schafft es, die Figuren mit Leben zu füllen und interessante Wendungen und Schicksalswege einzubauen, die mich gefesselt haben.

Die Geschichte enthält viele Vorkommnisse, die die damalige Zeit und die Lebensumstände verdeutlichen und gleichzeitig auf kurzweilige Weise das widrige Leben auf den Nordseeinseln näher bringen. Die Liebesgeschichte zwischen Cora und Onnen ist früh erahnbar, doch ihr Glück ist nicht von Dauer.

Sturmland hat mich mit den Erlebnissen der gut gezeichneten Figuren und mit der eingebauten Liebesgeschichte gut unterhalten und mir gleichzeitig das Leben um 1860 mit seinen gesellschaftlichen Unterschieden, der Wunsch der Frauen nach Selbstbestimmung und die Heilkunst von Inselhebammen näher gebracht. Die damalige Rolle der Frau war eine untergeordnete, Bildung war kaum erwünscht, die Frauen mussten sich dem Willen ihres Ehemannes oder Vaters beugen. Cora hat genug von diesem Leben.

Als die Nordseeinseln Norderney und Borkum als Seebäder anerkannt wurden, fuhren wohlhabende Reisende vom Festland zur Kur auf die Inseln, um dort die Luft, das Meer und wohltuende Bäder zu genießen. Für die zahlenden Gäste räumten die Inselbewohner ihre Schlaf- und Wohnzimmer, um mit der Beherbergung zusätzlich Geld zu verdienen. Denn ansonsten gab es nur den Fischfang, um Geld zu verdienen. Die Menschen auf den Inseln hatten ständig mit der Unberechenbarkeit der Nordsee zu kämpfen, viele Seeleute kehrten wegen Sturm und rauer See nicht von ihren Touren zurück und hinterließen Witwen und Waisen, die sich abmühen mussten, um finanziell über die Runden zu kommen. Eine organisierte Seenotrettung gab es damals noch nicht und so ließen viele Seeleute ihr Leben auf See. Miriam Georg hat in ihrem Roman nicht nur die damalige Rolle der Frau beleuchtet, sondern mir auch die Gefahren an Nordsee lebendig vor Augen geführt.

Das Buch endet mit einem Paukenschlag, der mich gespannt auf die Fortsetzung warten lässt.

Miriam Georg verwebt zeitbeschreibende Perspektiven und lebendige Beschreibungen mit dem Wagemut ihrer Protagonistin und anderer Figuren. Damit gelingt es ihr, mich emotional zu fesseln und gleichzeitig mit dem Geschehen und den Widrigkeiten des Lebens am Meer und auf See zu unterhalten.