Ich wollte diese Geschichte einfach nicht verlassen. ❤️
Miriam Georg hat es schon mit ihrer Elbleuchten-Dilogie geschafft, mich komplett zu begeistern. Umso größer war die Vorfreude auf Sturmland und was soll ich sagen? Dieses Buch hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Als ich die letzte Seite umgeblättert habe, war ich einfach nur traurig. Nicht, weil die Geschichte schlecht endet, sondern weil ich diese Welt nicht verlassen wollte. Ich wollte nicht von der Nordsee weg. Nicht von Norderney. Und vor allem nicht von diesen Charakteren. Im Mittelpunkt steht Cora, die ihre Vergangenheit in Hamburg hinter sich lassen muss und unter falschem Namen eine Stelle als Gouvernante auf Norderney annimmt. Dort soll sie die kränkliche Emmy unterrichten, deren Vater auf die heilsame Wirkung der Nordseeluft hofft. Doch kaum angekommen, gerät Cora gemeinsam mit Emmy in Lebensgefahr und begegnet dem Tagelöhner Onnen, der sie rettet. Während beide gezwungenermaßen immer mehr Zeit miteinander verbringen, wird schnell klar: Nicht nur Cora verbirgt ein Geheimnis. Auf der Insel trägt jeder seine eigene Vergangenheit mit sich herum und nach und nach kommen all diese Geschichten ans Licht. Was Miriam Georg für mich so besonders macht, ist ihr unglaublicher Schreibstil. Ich weiß wirklich nicht, wie sie das macht, aber ihre Figuren fühlen sich nicht wie Romanfiguren an. Sie wirken wie echte Menschen. Beim Lesen hatte ich permanent das Gefühl, einen Film vor Augen zu haben. Jede Geste, jeder Blick, jede Landschaft entstand glasklar vor meinem inneren Auge. Besonders beeindruckt hat mich wieder, wie mühelos sie historische Fakten in ihre Geschichte einwebt. Man merkt, wie intensiv recherchiert wurde, ohne dass es jemals belehrend wirkt. Im Gegenteil: Ich hatte ständig das Bedürfnis, selbst nach Bildern zu suchen und noch mehr über die damalige Zeit zu erfahren. Vor allem die Entwicklung Norderneys als Seebad und die Anfänge der Seenotrettung fand ich unglaublich faszinierend. Mir war vorher überhaupt nicht bewusst, welchen Gefahren sich die Männer damals ausgesetzt haben. Sie fuhren mit ihren eigenen Booten hinaus, riskierten bei jedem Einsatz ihr Leben und gleichzeitig die Existenz ihrer Familien. Denn selbst wenn sie heil zurückkehrten, konnte ein zerstörtes Boot bereits den finanziellen Ruin bedeuten. Diese historischen Hintergründe verleihen der Geschichte eine enorme Tiefe. Auch die Figuren haben mich vollkommen überzeugt. Jeder Charakter fühlt sich greifbar an, mit Ecken, Kanten, Ängsten und Hoffnungen. Besonders Cora mochte ich sehr. Ihre Bildung, ihr Wunsch nach Selbstbestimmung und ihr Kampf gegen die engen gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen verleihen der Geschichte einen wunderbaren feministischen Unterton, ohne jemals aufgesetzt zu wirken. Die Atmosphäre ist schlicht überwältigend. Ich konnte die salzige Meeresluft beinahe riechen, den Wind spüren und das Rauschen der Wellen hören. Dazu kommt eine stetige Spannung. Es passiert nie etwas Überhastetes, aber man möchte trotzdem permanent weiterlesen, weil man unbedingt erfahren will, welche Geheimnisse die Figuren noch mit sich tragen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Viel zu kritisieren gibt es für mich ehrlich gesagt nicht. Mein einziger “Kritikpunkt” ist, dass ich jetzt bis Oktober auf den zweiten Band warten muss. Am liebsten hätte ich Salzwind direkt im Anschluss gelesen, weil ich diese Geschichte einfach noch nicht loslassen möchte. Sturmland ist für mich ein perfekter Auftakt. Atmosphärisch, emotional, hervorragend recherchiert und mit Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen. Miriam Georg beweist einmal mehr, warum sie für mich zu den besten Autorinnen historischer Romane gehört.