Romantik, Mut und raues Meer

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rosenfreund Avatar

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Das Cover, mit der windumtosenden Protagonistin und dem Meer im Hintergrund sowie der Titel passen perfekt zu diesem Roman der bekannten Autorin.
Das Werk beginnt im Jahr 1860, einer Zeit als Frauen eine sehr untergeordnete Rolle spielten. Sie mussten sich völlig dem Willen ihres Vaters oder Ehemanns beugen, erlangten kaum Bildung, durften keine eigene Meinung äußern, sondern sollten ihre Zeit mit Handarbeiten verbringen, perfekte Verhaltensformen beherrschen, die Familie repräsentieren und Kinder gebären.
Das gilt natürlich hauptsächlich für vermögende Familien der Ober- und Mittelschicht. Cora, die Protagonistin, ist eine sogenannte höhere Töchter, aber mit eigenem Willen, die aus der engen Familienstruktur, bestimmt durch Etikette, ihrer Hamburger Familie ausbricht, heimlich nach Norderney flieht, um dort die Betreuung der kleinen Emmi zu übernehmen, die sich in der heilsamen Nordseeluft von ihrer Tuberkuloseerkrankung erholen soll. Niemand darf etwas von ihrer Vergangenheit erfahren! Leider bringt sie sich und Emmi, aus Unwissenheit, in Lebensgefahr, wird aber von Onnen, einem gutaussehenden Tagelöhner, der kantig und herzensgut ist, gerettet. Die sozialen Unterschiede den beiden könnten nicht größer sein. Onnen ist Analphabet, und hat auch ein Geheimnis auf der Insel Borkum, das er Cora nicht preisgibt. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine sanfte Annäherung, eine zarte Liebesbeziehung mit Zukunft? Nein, ihr Glück ist nicht von Dauer.
Die Figuren sind sehr authentisch beschrieben, und das ganze Werk ist atmosphärisch perfekt. Die Geschichte verdeutlicht durch Vorkommnisse, die typisch für die damalige Zeit sind, die vorherrschenden Lebensumstände und das beschwerliche Leben auf den Nordseeinseln Borkum und Norderney, wo der Erholungstourismus für reiche Bürger gerade Einzug hält. Die unterschiedlichen Schicksalswege der beiden und die unvorhergesehenen Twists sorgen für Spannung. Der metaphorisch angehauchte Erzählstil der Autorin lässt einen das flüssig geschriebene Werk verschlingen, obwohl es einige Längen enthält.
Dieser Roman endet mit einem Cliffhänger, der Lust auf den bereits fertiggestellten Folgeband macht.
Besonders gefällt mir die feministische Ebene, die dieses Werk zu einer leichten, aber gehaltvollen Sommerlektüre werden lässt.