Sturm in Herz und Kopf
Inhalt siehe Klappentext.
Eine neue Reihe von Miriam Georg, Schauplatz im Norden (Norderney und Borkum), Hauptperson eine starke Frau, da konnte ich nicht nein sagen. Ich mag die Bücher der Autorin, man ist schnell im Geschehen angekommen und fühlt sich den Personen nahe.
Ich fand schon die Einleitung, für wen das Buch ist, wunderbar, auch das Zitat von Virginia Woolf kann sich lesen lassen. Ich lese gerne Romane, die in der Vergangenheit, hier 1860, spielen, weil das eine Zeit ist, zu der ich niemanden mehr aus der Familie befragen kann und mich auf eine gute Recherche der Autoren verlassen will, um mehr über diese Zeit zu erfahren, als Frauen scheinbar noch nicht zählten. Die Inseln Norderney und Borkum kenne ich persönlich nicht, habe jedoch schon einige Romane gelesen, die dort spielen - irgendwann werde ich doch mal hinreisen. Die ersten Sätze über Cora, eine Frau, die 1860 einfach mal so, ohne Ziel, draussen rumläuft, einzig mit dem Ziel, den Kopf freizubekommen, gefallen mir sehr gut. Wenn ich einen klaren Kopf brauche, gehe ich ebenfalls laufen oder schwimmen (ging damals wohl auch nicht). Die Reise nach Norderney, als Kur für Emmi gedacht, beginnt abenteuerlich für Cora, ich denke, sowohl bei ihr, als auch bei Onnen, hatte es damals schon minimal gefunkt, aber keiner wollte es eingestehen.
Herrlich zu lesen, wie sie ihren Kontakt gering halten und absolut klein, unbedeutend wirken lassen wollen, dabei doch Beide ganz anderen Gedanken nachhängen. Cora hat bewusst ihre vorgeschriebene Vergangenheit hinter sich gelassen, in die man sie gezwängt und genötigt hat. Onnen kämpft immer noch mit seinen Geistern der Vergangenheit, unglaublich, was es damit auf sich hat. Beide sind vorbelastet und suchen Halt.
Bisher hat mich Miriam Georg immer mit ihren historischen Romanen fesseln können, das war auch diesmal der Fall, wenn man die Familie Klaasen zur Kur der an Tuberkulose erkrankten Emmi nach Norderney begleitet, Cora praktisch der letzte Strohhalm einer Gouvernante für Alexander ist und auch sie auf diesem Weg etwas Licht am Horizont sieht. Die Zustände und Situationen der Menschen 1860, die Gegend, das Wetter mitsamt all seinen Gefahren, werden ausführlich dargestellt, es macht einfach Spaß, „Sturmland“ mit seinen 608 Seiten zu lesen und die Vergangenheit auf den Inseln zu erleben. Hilfreich sind dabei die historischen Inselkarten im Buch. Man muss sich beim Lesen bewusst sein, dass es weder Strom noch sonstige Annehmlichkeiten gab, wie wir sie heute auf einer Urlaubsinsel kennen und erwarten. Man lebte vom Fischfang, war auf sein Boot angewiesen. War der Fang schlecht, hungerte die Familie. War das Boot kaputt, stand die Existenz auf dem Spiel. Armut war an der Tagesordnung, die Gäste halfen etwas dagegen, bleiben diese aus, sah es schlecht aus. Bildung hatte keine Priorität, nur das Überleben zählte. Die Standesunterschiede zwischen den Klaasens und Cora zu Onnen und seinen Leuten waren so groß, das will man sich gar nicht vorstellen. Ich finde, dass die „bessergestellten“ Frauen doch schlimmer dran sind, weil alles vorgegeben und auf die Etikette geachtet wird, als beim einfachen Volk, die machen einfach, was nötig ist. Beeindruckt hat mich Tamme, die Hexe, Hebamme, Heilerin, die sich wirklich auskennt und mit Alltäglichem und dem, was die Natur gibt, Menschen eher helfen kann, als der studierte Dr. Brenner, der gefährliche Sachen verschreibt und die Menschen dem Herrn Doktor vertrauen, ohne ihn in Frage zu stellen - traurig!
Bis zur Lektüre dieses Buches war mir nicht bekannt, dass es seinerzeit keine Seerettung auf den Inseln gab und wieviele Menschen tatsächlich ihr Leben ans Wasser verloren haben.
Mir hat „Sturmland“ bis zur letzten Seite sehr gut gefallen, das Ende schreit nach der Fortsetzung, heute gebe ich 5 Sterne für den Seemann und die Frau auf der Flucht.
Eine neue Reihe von Miriam Georg, Schauplatz im Norden (Norderney und Borkum), Hauptperson eine starke Frau, da konnte ich nicht nein sagen. Ich mag die Bücher der Autorin, man ist schnell im Geschehen angekommen und fühlt sich den Personen nahe.
Ich fand schon die Einleitung, für wen das Buch ist, wunderbar, auch das Zitat von Virginia Woolf kann sich lesen lassen. Ich lese gerne Romane, die in der Vergangenheit, hier 1860, spielen, weil das eine Zeit ist, zu der ich niemanden mehr aus der Familie befragen kann und mich auf eine gute Recherche der Autoren verlassen will, um mehr über diese Zeit zu erfahren, als Frauen scheinbar noch nicht zählten. Die Inseln Norderney und Borkum kenne ich persönlich nicht, habe jedoch schon einige Romane gelesen, die dort spielen - irgendwann werde ich doch mal hinreisen. Die ersten Sätze über Cora, eine Frau, die 1860 einfach mal so, ohne Ziel, draussen rumläuft, einzig mit dem Ziel, den Kopf freizubekommen, gefallen mir sehr gut. Wenn ich einen klaren Kopf brauche, gehe ich ebenfalls laufen oder schwimmen (ging damals wohl auch nicht). Die Reise nach Norderney, als Kur für Emmi gedacht, beginnt abenteuerlich für Cora, ich denke, sowohl bei ihr, als auch bei Onnen, hatte es damals schon minimal gefunkt, aber keiner wollte es eingestehen.
Herrlich zu lesen, wie sie ihren Kontakt gering halten und absolut klein, unbedeutend wirken lassen wollen, dabei doch Beide ganz anderen Gedanken nachhängen. Cora hat bewusst ihre vorgeschriebene Vergangenheit hinter sich gelassen, in die man sie gezwängt und genötigt hat. Onnen kämpft immer noch mit seinen Geistern der Vergangenheit, unglaublich, was es damit auf sich hat. Beide sind vorbelastet und suchen Halt.
Bisher hat mich Miriam Georg immer mit ihren historischen Romanen fesseln können, das war auch diesmal der Fall, wenn man die Familie Klaasen zur Kur der an Tuberkulose erkrankten Emmi nach Norderney begleitet, Cora praktisch der letzte Strohhalm einer Gouvernante für Alexander ist und auch sie auf diesem Weg etwas Licht am Horizont sieht. Die Zustände und Situationen der Menschen 1860, die Gegend, das Wetter mitsamt all seinen Gefahren, werden ausführlich dargestellt, es macht einfach Spaß, „Sturmland“ mit seinen 608 Seiten zu lesen und die Vergangenheit auf den Inseln zu erleben. Hilfreich sind dabei die historischen Inselkarten im Buch. Man muss sich beim Lesen bewusst sein, dass es weder Strom noch sonstige Annehmlichkeiten gab, wie wir sie heute auf einer Urlaubsinsel kennen und erwarten. Man lebte vom Fischfang, war auf sein Boot angewiesen. War der Fang schlecht, hungerte die Familie. War das Boot kaputt, stand die Existenz auf dem Spiel. Armut war an der Tagesordnung, die Gäste halfen etwas dagegen, bleiben diese aus, sah es schlecht aus. Bildung hatte keine Priorität, nur das Überleben zählte. Die Standesunterschiede zwischen den Klaasens und Cora zu Onnen und seinen Leuten waren so groß, das will man sich gar nicht vorstellen. Ich finde, dass die „bessergestellten“ Frauen doch schlimmer dran sind, weil alles vorgegeben und auf die Etikette geachtet wird, als beim einfachen Volk, die machen einfach, was nötig ist. Beeindruckt hat mich Tamme, die Hexe, Hebamme, Heilerin, die sich wirklich auskennt und mit Alltäglichem und dem, was die Natur gibt, Menschen eher helfen kann, als der studierte Dr. Brenner, der gefährliche Sachen verschreibt und die Menschen dem Herrn Doktor vertrauen, ohne ihn in Frage zu stellen - traurig!
Bis zur Lektüre dieses Buches war mir nicht bekannt, dass es seinerzeit keine Seerettung auf den Inseln gab und wieviele Menschen tatsächlich ihr Leben ans Wasser verloren haben.
Mir hat „Sturmland“ bis zur letzten Seite sehr gut gefallen, das Ende schreit nach der Fortsetzung, heute gebe ich 5 Sterne für den Seemann und die Frau auf der Flucht.