Vielschichtige menschliche Figuren

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haruka Avatar

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"Sturmland" hat mich vor allem mit seiner Atmosphäre überzeugt. Man merkt, dass die Autorin gründlich zu den historischen Gegebenheiten recherchiert hat. Die Zeit und die gesellschaftlichen Spannungen wurden sehr überzeugend dargestellt.
Besonders gefallen haben mir die Figuren. Jede Person trägt ihr eigenes Päckchen mit sich herum, und nach und nach erfährt man, womit die einzelnen Charaktere zu kämpfen haben. Schmerz, Verlust und Trauer bringt die Autorin sehr authentisch rüber. Toll fand ich, dass die Figuren nie einfach in "gut" und "böse" eingeteilt werden. Menschen mit einem guten Herzen treffen manchmal fragwürdige Entscheidungen oder vertreten Ansichten, die man kritisch sehen kann. Dadurch wirken die Charaktere menschlich und realistisch.
Die Protagonistin war mir stellenweise etwas zu stur. Obwohl sie gute Ratschläge bekommt, trifft sie immer wieder fragwürdige oder fahrlässige Entscheidungen, die teilweise sogar gefährliche Konsequenzen haben, nicht nur für sie selbst. Ausserdem bedient ihre Rolle stellenweise ein Klischee: die Frau aus der Stadt, die sich immer wieder kopflos in Gefahr bringt und dann von Männern gerettet werden muss.
Da es sich um den ersten Band einer Dilogie handelt, war natürlich klar, dass nicht alle Handlungsstränge abgeschlossen werden. Trotzdem mag ich es persönlich nicht, wenn Fragen, die bereits ganz am Anfang aufgeworfen werden, bis zum Ende kaum oder gar nicht beantwortet werden. Zwei grosse Geheimnisse bleiben hier weitgehend ungelüftet. Das ist letztlich Geschmackssache, für mich hat es den Lesegenuss aber ein wenig geschmälert.
Insgesamt ist "Sturmland" ein atmosphärischer und emotionaler Roman mit vielschichtigen Figuren, glaubwürdigen Emotionen und einer gut recherchierten historischen Kulisse. Wer Geschichten mag, in denen historische Ereignisse und persönliche Schicksale eng miteinander verwoben sind, wird dieses Buch mögen.