Wenn Nähe zugleich Halt und Gefahr bedeutet

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Die Leseprobe von Suki hat mich sofort angesprochen, weil sie eine dichte, winterliche und zugleich etwas beklemmende Atmosphäre aufbaut. Suki wirkt nicht wie eine einfache oder jederzeit sympathische Hauptfigur, sondern wie ein junges Mädchen, das mit Einsamkeit, Wut, Scham und dem Gefühl kämpft, nirgends wirklich dazuzugehören. Genau das macht sie für mich interessant. Ich mag Figuren, die widersprüchlich sein dürfen und deren Verhalten nicht sofort erklärt oder entschuldigt wird.

Auch die Verbindung zwischen Suki und ihrer Lehrerin Anna Fischer klingt nach einer vielschichtigen Konstellation. Beide scheinen auf unterschiedliche Weise verletzt und auf der Suche nach Halt zu sein. Mich interessiert besonders, wie der Roman mit dieser Nähe umgeht und ob sie den beiden hilft oder neue Grenzen und Abhängigkeiten entstehen lässt. Die Schauplätze im Berliner Winter, zwischen Schule, Friedhof und Krankenhaus, passen sehr gut zu der melancholischen Grundstimmung.

Der Stil wirkt literarisch und atmosphärisch, ohne sich in großen Worten zu verlieren. Ich erwarte keine leichte Geschichte, sondern einen Roman über Verlust, Zugehörigkeit und die Sehnsucht danach, dass jemand bleibt. Genau solche emotional intensiven, psychologisch glaubwürdigen Bücher lese ich besonders gern.