Wütend auf die Welt – und gleichzeitig auf der Suche nach einem Platz darin
Schon nach den ersten Seiten von Suki hatte ich das Gefühl, eine Protagonistin kennenzulernen, bei der sehr viel mehr unter der Oberfläche steckt, als sie andere Menschen sehen lässt. Suki ist sechzehn, sitzt in der letzten Reihe, beobachtet lieber, als selbst gesehen zu werden, und scheint ihrer Umwelt mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit, Sarkasmus und Wut zu begegnen. Zweimal musste sie bereits eine Klasse wiederholen, ihre Noten sind schlecht und in der Schule fühlt sie sich wie eine Außenseiterin. Besonders eindrücklich fand ich die Beschreibung, wie Zahlen und Wörter vor ihren Augen irgendwann verschwimmen und sie gedanklich einfach woandershin verschwindet.
Dabei wirkt Suki keineswegs unsympathisch – im Gegenteil. Hinter ihrer scharfen Zunge und ihrer abweisenden Art spürt man sehr schnell eine große Verletzlichkeit. Mit „MenschMeier“ gibt es zumindest eine Mitschülerin, die ähnlich wenig in die üblichen Gruppen passt. Die beiden sind keine klassischen besten Freundinnen, aber gerade ihre etwas wortkarge Verbindung fand ich sehr schön. Ihr trockener Humor sorgt außerdem immer wieder für kleine Momente, die die ansonsten melancholische Stimmung auflockern.
Nach und nach wird auch klarer, woher Sukis Gefühl kommt, nirgendwo richtig dazuzugehören. Ihr japanischer Vater ist nicht mehr da, ihre Mutter hat mit einem neuen Mann ein anderes Leben begonnen und aus dem ursprünglich kurzen Aufenthalt bei der Großmutter sind Jahre geworden. Besonders traurig fand ich, wie sich die Beziehung zu ihrer Mutter langsam verändert hat: Aus langen Telefonaten wurden immer kürzere Gespräche, aus „Ich liebe dich“ irgendwann nur noch „Pass auf dich auf“ und schließlich „Wir hören uns“.
Auch die Beziehung zwischen Suki und ihrer Oma gefällt mir sehr, gerade weil sie nicht übertrieben liebevoll dargestellt wird. Die beiden können scharf miteinander umgehen und vieles bleibt unausgesprochen. Trotzdem zeigen kleine Gesten, wie wichtig sie einander sind. Besonders das vorgezogene Weihnachtsgeschenk und später die bereitgelegten warmen Socken fand ich berührend. Suki tut zwar so, als wäre ihr all das egal – aber als Leser merkt man längst, dass es das überhaupt nicht ist.
Sehr gefallen hat mir außerdem Salih Jamals Schreibstil. Er ist bildhaft, manchmal beinahe poetisch, gleichzeitig aber direkt und stellenweise herrlich trocken. Selbst kleine Beobachtungen bekommen dadurch eine besondere Bedeutung. Auch die kurze Begegnung mit der älteren Frau, die Suki einen Mond „verkaufen“ möchte und ihr sagt, dass dieser immer da sei, selbst wenn man ihn nicht sehen könne, ist so eine Szene, von der ich mir vorstellen kann, dass sie später noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommt.
Auch das Cover gefällt mir übrigens sehr gut. Das Schwarz-Weiß-Porträt in Verbindung mit dem leuchtenden Rahmen wirkt gleichzeitig modern, etwas rau und melancholisch und passt für mich nach der Leseprobe erstaunlich gut zu Suki selbst.
Dabei wirkt Suki keineswegs unsympathisch – im Gegenteil. Hinter ihrer scharfen Zunge und ihrer abweisenden Art spürt man sehr schnell eine große Verletzlichkeit. Mit „MenschMeier“ gibt es zumindest eine Mitschülerin, die ähnlich wenig in die üblichen Gruppen passt. Die beiden sind keine klassischen besten Freundinnen, aber gerade ihre etwas wortkarge Verbindung fand ich sehr schön. Ihr trockener Humor sorgt außerdem immer wieder für kleine Momente, die die ansonsten melancholische Stimmung auflockern.
Nach und nach wird auch klarer, woher Sukis Gefühl kommt, nirgendwo richtig dazuzugehören. Ihr japanischer Vater ist nicht mehr da, ihre Mutter hat mit einem neuen Mann ein anderes Leben begonnen und aus dem ursprünglich kurzen Aufenthalt bei der Großmutter sind Jahre geworden. Besonders traurig fand ich, wie sich die Beziehung zu ihrer Mutter langsam verändert hat: Aus langen Telefonaten wurden immer kürzere Gespräche, aus „Ich liebe dich“ irgendwann nur noch „Pass auf dich auf“ und schließlich „Wir hören uns“.
Auch die Beziehung zwischen Suki und ihrer Oma gefällt mir sehr, gerade weil sie nicht übertrieben liebevoll dargestellt wird. Die beiden können scharf miteinander umgehen und vieles bleibt unausgesprochen. Trotzdem zeigen kleine Gesten, wie wichtig sie einander sind. Besonders das vorgezogene Weihnachtsgeschenk und später die bereitgelegten warmen Socken fand ich berührend. Suki tut zwar so, als wäre ihr all das egal – aber als Leser merkt man längst, dass es das überhaupt nicht ist.
Sehr gefallen hat mir außerdem Salih Jamals Schreibstil. Er ist bildhaft, manchmal beinahe poetisch, gleichzeitig aber direkt und stellenweise herrlich trocken. Selbst kleine Beobachtungen bekommen dadurch eine besondere Bedeutung. Auch die kurze Begegnung mit der älteren Frau, die Suki einen Mond „verkaufen“ möchte und ihr sagt, dass dieser immer da sei, selbst wenn man ihn nicht sehen könne, ist so eine Szene, von der ich mir vorstellen kann, dass sie später noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommt.
Auch das Cover gefällt mir übrigens sehr gut. Das Schwarz-Weiß-Porträt in Verbindung mit dem leuchtenden Rahmen wirkt gleichzeitig modern, etwas rau und melancholisch und passt für mich nach der Leseprobe erstaunlich gut zu Suki selbst.