Emotional einfühlsam erzählt, leider zu kurz.

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springtoiffel Avatar

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"Suki" von Salih Jamal ist eine sensible, stimmungsvolle, stellenweise poetisch geschriebene Erzählung über eine Jugendliche, die ihren Platz noch nicht gefunden hat.

Nirgends passt sie hinein: in die Schule nicht, wegen den Noten, die sie bereits zum zweiten Mal eine Klasse wiederholen lassen; außerdem ist sie nicht Teil der Gruppen der Mitschüler, die in ihrem Umfeld in finanziell und familiär gut situierten Umgebungen aufwachsen. Ihre einzige "Freundin", mit der sie manchmal tagelang kein einziges Wort wechselt, ist mehr aus beidseitigem Mangel an echten Freund oft an ihrer Seite, als aus echtem Interesse an der jeweils anderen Person.

In den Kern ihrer eigentlichen Familie passt sie nicht: vom Vater, der nach Japan zurückgereist ist, ist sie im Stich gelassen und von der Mutter, die sich mit einem anderen Mann und dessen Sohn eine neue Familie aufgebaut hat, auch.
So ist sie "abgeschoben" an ihre Großmutter, die alles ist, was Suki hat.

Ihrem Körper fühlt sie sich fremd: sie ist zu dünn und mag ihr asiatisches Aussehen, das sie vom japanischen Vater geerbt hat, nicht - nichts verbindet sie mit der asiatischen Kultur und so fühlt sie sich dauernd nur fehl am Platz.

Gerade ihre Deutschlehrerin, die Suki am Friedhof gesehen hat, fährt Suki beim Weg in die Schule an und bleibt danach mit ihr in Kontakt.

Wie gesagt, die Emotionen sind nachvollziehbar, die Situationen einfühlsam erzählt. Die Atmosphäre vom eiskalten Winter und der einsamen Weihnacht ist extrem gelungen.

Warum dann die Bewertung von nur drei Sternen?

Das liegt an der Kürze des Romans. Wie bei einer Kurzgeschichte wird man in eine etablierte Situation geworfen, die sich nur minimal im Lauf der Handlung verändert. Nichts passiert wirklich groß, es werden eher Anfänge angedeutet, als wirklich neue Handlungsstränge ausgeführt.
Auch die im Klappentext beworbene Verbindung zur Lehrerin ist nur marginal beschrieben und findet auf wenigen Seiten Platz.
Somit ist dies eher eine Geschichte für Träumer, die gerne überlegen, wie es im Leben von Romanfiguren weitergehen könnte, denn eine Veränderung innerhalb der vorliegenden Erzählung erlebt der Leser nicht.

Damit habe ich im Grunde kein Problem, aber: durch Social Media, auch und gerade im Bereich von Büchern, hat sich viel verändert. Menschen wollen ihren "Stapel ungelesener Bücher" (genannt SuB) "abarbeiten", um vorne in irgendwelchen Statistiken zu liegen, oder um neuen Content zu erschaffen, oder um schlicht auf dem Laufenden zu bleiben, bei der nicht abbrechenden Flut an Neuerscheinungen. Mal ganz ehrlich, wie lange kann einem ein Buch dieser Kürze an Inhalt überhaupt nachhängen, wenn man ständig immer mehr und noch mehr liest?

Außerdem hat mich persönlich der Slang in Dialogen, v.a. mit der "Freundin" gestört. Ist Geschmackssache, weiß ich, aber meinen Geschmack trifft es halt mal nicht.
Das Kapitel mit dem politischen Gespräch fand ich völlig deplatziert und inhaltslos - kein Vergleich zu "Der Zauberberg" von Thomas Mann, wo verschiedene Ideologien aufeinandertreffen und ausgeführt werden. Hier wird einfach nur der allgemeine Konsens wiedergekäut.

So bleibt "Suki" für mich durchaus empfehlenswert - wenn einem klar ist, dass dies ein Buch fürs schnelle Lesen zwischendurch ist und kein Begleiter für längere Zeit