Literarische Symphonie
Frau Fischer schreibt geometrische Formeln an die Tafel. Suki driftet weg, versteht nichts. Sie ist zweimal sitzen geblieben, auch das nächste Zeugnis wird mit Fünfern gespickt sein, sie ist froh, die Schultage zu überleben, deshalb wird keiner davon große Spuren bei ihr hinterlassen. Nichts verbindet sie mit ihren Mitschülern. Mit den blonden Strähnen im langen Haar, dem Flüstern und Kichern. Auf dem Schulhof hält sie sich am Rand, genauso wie Meier. Spooky Suki und Mensch Meier. Sie gehören nicht dazu, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil die anderen nicht wollen.
Suki hat Schlitzaugen, weil ihr Vater Japaner ist. Ihre Mutter trennte sich von ihm und ging mit Suki zurück nach Deutschland. Sie lernte einen anderen Mann kennen und zog zu ihm. Der Typ hat einen Sohn, so einen glatten Schlaumeier. In dem Jahr, als alles zerfiel, schenkte man dem Besseren an Weihnachten lauter Technik, Gameboy, Tablet solche Dinge. Suki bekam Nützliches, Socken, Pullover, da ist sie ausgeflippt. Danach wurde sie dauerhaft bei Oma abgegeben. Die Mutte rief sie eine Zeit lang regelmäßig an. Dann wurden die Gespräche seltener und kürzer. Aus einem „Ich liebe dich“ wurde ein „Pass auf dich auf“.
Die Oma hat Brühwurst gekocht. Suki hat es schon im Hausflur gerochen, es gibt wenig Ekligeres. Wie war dein Tag, will Oma wissen, als Suki sich an den Tisch setz. Oma stellt die Teller auf die geblümte Plastikdecke, setzt sich. Suki pickt im unnatürlich weißen Kartoffelpüree, probiert und weiß, dass es aus der Tüte ist. „Gut.“ Suki ist nach der Schule durch die Straßen gelaufen, sie hat nichts zu erzählen. Nach dem Essen steht Oma auf, zieht ihren Mantel an, nimmt ihre Tasche und sagt, ich muss nochmal eben, so als wolle sie noch kurz zum Späti, als habe sie etwas vergessen. Aber Suki weiß, dass sie in die kleine Taverne um die Ecke geht, raucht, Bier trinkt und später mit dem Wirt nach oben geht.
Fazit: Der Autor Salih Jamal hat sich in seinem vierten Buch, nach allen Regeln der Schreibkunst, dem Thema Verlorensein verschrieben. Seine jugendliche Protagonistin läuft nach dem sinnlosen Schultag durch die Straßen und sammelt Eindrücke. Echte Erfahrungen mit Gleichaltrigen oder einer liebevollen Familie bleiben ihr verwehrt. In Suki schwelt eine tiefe Wut, die sie einem beschissenen Leben zuschreibt, tatsächlich richtet sich die Wut gegen die Mutter, die nichts von dem Mädchen wissen will. Ihre Oma kümmert sich liebevoll, aber distanziert um Suki. Als die neue junge Lehrerin Sukis Klasse zugeteilt wird, sieht sie etwas in ihr, dass ihr ähnelt. Ein Zufall treibt die beiden näher zueinander und zum ersten Mal kommt Suki in den Genuss des Gefühls, nicht beurteilt oder bewertet zu werden. Ganz langsam nähert Salih Jamal sich den beiden Frauen an. Sie Atmosphäre ist winterlich rau und düster. Damit schafft er eine perfekte Kulisse für die tiefe Melancholie, die die beiden Frauen umgibt, denn Frau Fischer leidet unter einem Verlust, der sie tief erschüttert hat. Beide taumeln verloren durch ein Leben, das so fragil ist, dass es ihnen jeder Zeit entgleiten kann. Die ersten Seiten dachte ich, was macht denn Salih Jamal da, versucht er besonders literarisch zu schreiben? Auf mich wirkte das steif, völlig frei von der Leichtigkeit, die ich bei „Das perfekte Grau“ kennen- und schätzen gelernt habe. Dann hat er mich mit dem Weihnachtsabend, den Suki mit ihrer Oma verbringt, überrascht, so sehr hat diese Szene mein Herz erwärmt. Hier ist tatsächlich eine absolut empathische Geschichte entstanden, die die sanften Zwischentöne sensibel herausarbeitet, die den Focus auf ein enttäuschendes Gespräch, eine sanfte Berührung, einen abwertenden Blick, eine zugewandte Haltung legt. Der Roman ist absolut stimmig und wäre perfekt, wenn der Schnee nicht etwas zu oft gebissen hätte. Wer sich auf das Buch einlässt, wird tief berührt werden.
Suki hat Schlitzaugen, weil ihr Vater Japaner ist. Ihre Mutter trennte sich von ihm und ging mit Suki zurück nach Deutschland. Sie lernte einen anderen Mann kennen und zog zu ihm. Der Typ hat einen Sohn, so einen glatten Schlaumeier. In dem Jahr, als alles zerfiel, schenkte man dem Besseren an Weihnachten lauter Technik, Gameboy, Tablet solche Dinge. Suki bekam Nützliches, Socken, Pullover, da ist sie ausgeflippt. Danach wurde sie dauerhaft bei Oma abgegeben. Die Mutte rief sie eine Zeit lang regelmäßig an. Dann wurden die Gespräche seltener und kürzer. Aus einem „Ich liebe dich“ wurde ein „Pass auf dich auf“.
Die Oma hat Brühwurst gekocht. Suki hat es schon im Hausflur gerochen, es gibt wenig Ekligeres. Wie war dein Tag, will Oma wissen, als Suki sich an den Tisch setz. Oma stellt die Teller auf die geblümte Plastikdecke, setzt sich. Suki pickt im unnatürlich weißen Kartoffelpüree, probiert und weiß, dass es aus der Tüte ist. „Gut.“ Suki ist nach der Schule durch die Straßen gelaufen, sie hat nichts zu erzählen. Nach dem Essen steht Oma auf, zieht ihren Mantel an, nimmt ihre Tasche und sagt, ich muss nochmal eben, so als wolle sie noch kurz zum Späti, als habe sie etwas vergessen. Aber Suki weiß, dass sie in die kleine Taverne um die Ecke geht, raucht, Bier trinkt und später mit dem Wirt nach oben geht.
Fazit: Der Autor Salih Jamal hat sich in seinem vierten Buch, nach allen Regeln der Schreibkunst, dem Thema Verlorensein verschrieben. Seine jugendliche Protagonistin läuft nach dem sinnlosen Schultag durch die Straßen und sammelt Eindrücke. Echte Erfahrungen mit Gleichaltrigen oder einer liebevollen Familie bleiben ihr verwehrt. In Suki schwelt eine tiefe Wut, die sie einem beschissenen Leben zuschreibt, tatsächlich richtet sich die Wut gegen die Mutter, die nichts von dem Mädchen wissen will. Ihre Oma kümmert sich liebevoll, aber distanziert um Suki. Als die neue junge Lehrerin Sukis Klasse zugeteilt wird, sieht sie etwas in ihr, dass ihr ähnelt. Ein Zufall treibt die beiden näher zueinander und zum ersten Mal kommt Suki in den Genuss des Gefühls, nicht beurteilt oder bewertet zu werden. Ganz langsam nähert Salih Jamal sich den beiden Frauen an. Sie Atmosphäre ist winterlich rau und düster. Damit schafft er eine perfekte Kulisse für die tiefe Melancholie, die die beiden Frauen umgibt, denn Frau Fischer leidet unter einem Verlust, der sie tief erschüttert hat. Beide taumeln verloren durch ein Leben, das so fragil ist, dass es ihnen jeder Zeit entgleiten kann. Die ersten Seiten dachte ich, was macht denn Salih Jamal da, versucht er besonders literarisch zu schreiben? Auf mich wirkte das steif, völlig frei von der Leichtigkeit, die ich bei „Das perfekte Grau“ kennen- und schätzen gelernt habe. Dann hat er mich mit dem Weihnachtsabend, den Suki mit ihrer Oma verbringt, überrascht, so sehr hat diese Szene mein Herz erwärmt. Hier ist tatsächlich eine absolut empathische Geschichte entstanden, die die sanften Zwischentöne sensibel herausarbeitet, die den Focus auf ein enttäuschendes Gespräch, eine sanfte Berührung, einen abwertenden Blick, eine zugewandte Haltung legt. Der Roman ist absolut stimmig und wäre perfekt, wenn der Schnee nicht etwas zu oft gebissen hätte. Wer sich auf das Buch einlässt, wird tief berührt werden.