Über Nähe in einer kalten Welt

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Die 16jährige Suki ist speziell, ihr Leben ein Sammelsurium unterdrückter Sehnsüchte und unerfüllter Versprechen. Sie lebt bei ihrer Oma, ihre Eltern haben das Interesse an ihr verloren. In der Oberstufe läuft es mal so, mal so - manchmal auf den Punkt, häufig 1000 Meilen entfernt. Suki ist widerständig und wütend; das Gefühl, nicht verstanden zu werden, ihr ständiger Begleiter. Für ein paar Begegnungen auf Augenhöhe hat sie Mitschülerin MenschMeier. Wenn der Kopf schreit, dass alles sinnlos ist, läuft sie durch Berlin. Ihre Lehrerin Anna Fischer muss ihre eigenen Schicksalsschläge verkraften. Täglich sitzen beide zusammen im Klassenraum. In den letzten beiden Dezemberwochen kreuzen sich ihre Wege auf ungewöhnliche Weise. Werden sie einander geben können, was ihnen fehlt?

Salih Jamal hat eine wunderschöne Geschichte von zwei verlorenen Seelen geschrieben. Unglücklich bis ins Mark, aber mit vollster Kraft aufrecht suchend. Vor allem Suki ist eine Hauptfigur, die man so schnell nicht vergisst. Das Besondere an diesem Roman ist das Aushalten von Widersprüchen. Verhalten geschieht unbewusst, im Affekt, planlos. Und gerade deshalb ist alles an "Suki" warmherzig und menschlich. Ich habe den Roman weggesuchtet. Lesenswert für Erwachsene, aber unbedingt auch für Jugendliche. Selten habe ich das Erwachsenwerden mit all seiner Desorientierung, seinem Schmerz und seiner Ernüchterung schöner beschrieben gesehen. Das Ende der Geschichte hat mich stark berührt und auch das Nachwort von Salih Jamal ist eine Wucht. Ein beeindruckender Roman über Nähe und Verbundenheit, aber auch über das Grenzen ziehen und sich wieder öffnen.
Meine Leseempfehlung!