Zucker auf dem Daseinsjoghurt

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galaxaura Avatar

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„Suki“, ein neuer Roman von Salih Jamal, erschienen 2026 bei edition federleicht, ist über weite Strecken sehr berührend und beschäftigt sich mit dem Thema Einsamkeit – in ganz verschiedenen Altersphasen. Bevor wir zum Inhalt kommen, leider ein kleiner Aufreger: Das Cover des Romans wurde mit KI gestaltet, und so sehr ich Kostenfaktoren nachvollziehen kann, finde ich das, wenn man selbst in der Kreativbranche arbeitet, einfach ein absolutes No Go, zumal der Roman keinerlei Bezug zu KI hat, was eine mögliche inhaltliche Begründung hätte sein können.

Im Roman begegnen wir der titelgebenden Suki, eine ungewöhnliche, sehr verschlossene Teenagerin, die nicht bei ihren Eltern, sondern bei ihrer Großmutter lebt – schon seit langem. Was zunächst nur als Übergangslösung gedacht war, entwickelte sich zum Dauerzustand – inzwischen hat Sukis Mutter eine neue Familie, in der Suki zu stören scheint. Ganz genau wird das nie entschlüsselt, aber das Leben lässt sich auch nicht immer genau entschlüsseln. Was Suki geblieben ist, ist eine Gefühl von nicht genügen, von Wertlosigkeit. Und auch ihre Großmutter ist nicht die beste darin, Gefühle zu äußern. Suki hat keine richtigen Freunde, auch wenn es einen weiteren „Nerd“ in ihrem Umfeld gibt, kapselt Suki sich eher ab. Schule ist ihr eine Last – und das alles kurz vor Weihnachten, wenn man sich doch glücklich fühlen soll und familiär. Doch dann geschieht etwas, was einen Riss in Sukis toughe Fassade bringt: Sie gerät ihrer Lehrerin Anna Fischer vors Auto, was diese beiden Menschen in eine noch sehr rohe Verbindung zueinander bringt. Und Suki entdeckt, dass es nicht nur in ihrem Leben Lücken gibt.

Was Jamal wirklich sehr besonders kann, ist, Momente zu beschreiben, die eigentlich nur ein paar Sekunden lang sind, im Innenleben aber einen viel längeren und größeren Widerhall haben. Hier findet er starke Bilder und sprachlich herausragende Formulierungen und trifft sehr emotionale Punkte. Auch das Motiv der Mondsichel, die nie vollkommen ist, führt er klar und eindrücklich durch das Buch. Sowohl den Charakter von Suki als auch den von ihrer Lehrerin zeichnet er lebendig, greifbar und im besten Sinne eigenartig. Da ist viel Schönes zu finden in diesem Buch. Auf der anderen Seite aber wirkt der Roman formal noch unausgegoren und nicht ganz fertig, das Ende kommt sehr überraschend (und damit ist nicht gemeint, dass immer alles auserzählt werden muss, aber hier fehlt definitiv noch ein kleines Stück Geschichte) und die Begabung, aus kleinen Momenten große zu machen, führt manchmal auch zu einer etwas überbordenden Themenfülle, die teilweise doch etwas bemüht wirkt.

Suki ist aber ein so toller Charakter, dass ich trotz dieser Kritikpunkte das Buch sehr gern gelesen habe, und die Einsamkeit, die durch das Buch strahlt, hat mich wirklich sehr angefasst. Es ist ein leiser Appell, die Menschen um sich herum mehr zu sehen – und mehr so sein zu lassen, wie sie sind, mehr Platz zu schaffen für Menschen, die nicht dem Standard entsprechen.