Schattenseiten eines Sommerparadieses

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
noiram Avatar

Von

Die Leseprobe zu „Summer Heat“ wirft den Leser sofort in ein beklemmendes Szenario. Der Einstieg ist packend: Die Protagonistin erwacht verletzt und orientierungslos in der Dunkelheit, was sofort Fragen nach dem „Was ist passiert?“ aufwirft. Dieser atmosphärische Prolog bildet einen starken Kontrast zum darauffolgenden Hauptteil, der den Arbeitsalltag in einem Luxusresort auf einer griechischen Insel schildert.
​Besonders gut gelungen ist die Darstellung der Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb des Hotels. Auf der einen Seite die glitzernde Welt der Gäste, auf der anderen die „klebrigen Zimmer“ und staubigen Wege im Mitarbeiterbereich, der hinter einem Bambuszaun verborgen liegt. Solveig-Marie Kastner beschreibt die Hitze und die Erschöpfung der Angestellten sehr greifbar. Man spürt förmlich den Schweiß und den Druck, unter dem das Team steht, um die perfekte Fassade für die Urlauber aufrechtzuerhalten.
​Die Protagonistin wirkt sympathisch und bodenständig, auch durch ihre kleinen Tagträumereien über den attraktiven Yanis, die sie selbst direkt wieder als kindisch abtut. Die unterschwellige Warnung im Untertitel „Nicht alle können überleben“ sorgt dafür, dass man beim Lesen der eigentlich alltäglichen Szenen ständig nach Anzeichen für das kommende Unheil sucht.
​Der Schreibstil ist flüssig und modern, wodurch die sommerliche, aber zunehmend bedrohliche Stimmung gut transportiert wird. Wer Thriller mag, die an abgeschiedenen Urlaubsorten spielen und die menschliche Abgründe hinter einer schönen Kulisse thematisieren, wird hier sicher auf seine Kosten kommen.