Was würde ich nun gerne nach St. Ives reisen...

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sonja26 Avatar

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„Summer Tides“ von Sarah Fulmar, erschienen im Lübbe Verlag, ist der Auftakt der vierteiligen Seasons-by-the-Sea-Reihe und entführt die Leserinnen und Leser in den malerischen Küstenort St Ives in Cornwall, den wir im Verlauf der Jahreszeiten in den kommenden Bänden noch weiter kennenlernen können.

Im Mittelpunkt steht Scarlett, die kurzerhand ihren Job in London kündigt, um den Sommer in Cornwall zu verbringen. Über eine Anzeigenplattform mietet sie einen kleinen Strandkiosk – mit dem Ziel, Geld zu verdienen und gleichzeitig ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Und natürlich auch einen wunderbaren Sommer mit ihrer Freundin Emily zu verbringen, die ebenfalls in St. Ives jobbt.

Untergebracht sind die beiden bei Familie Anderson, die sie noch aus früheren Urlauben kennen und die ein charmantes Bed and Breakfast betreibt. Familie Anderson wird in weiteren Romanen noch eine große Rolle spielen.

Dort trifft sie auch auf Jonah, einen Rettungsschwimmer mit Vergangenheit: Eigentlich ist er ausgebildeter Arzt und hatte St Ives längst hinter sich gelassen – doch nun ist er zurück und kann Scarlett kaum aus den Augen lassen. Während zwischen den beiden langsam Gefühle entstehen, stehen sich ihre Lebenspläne scheinbar im Weg.

Die Geschichte lebt vor allem von ihrem Setting: Sarah Fulmar schreibt so bildreich, dass man das Meer förmlich riechen und die salzige Luft auf der Haut spüren kann. St Ives wirkt wie ein Ort, an dem man sofort ankommen möchte (oder unbedingt mal Urlaub machen müsste) – nicht zuletzt durch die vielen schrulligen, aber liebenswerten Dorfbewohner, die eine ganz besondere Gemeinschaft bilden.

Scarlett ist dabei eine Protagonistin, die man schnell ins Herz schließt. Sie ist tollpatschig, manchmal naiv und bringt sich regelmäßig in Situationen, aus denen sie gerettet werden muss – oft von Jonah. Gleichzeitig entwickelt sie sich im Laufe der Geschichte weiter, wächst über sich hinaus und zeigt, dass mehr in ihr steckt, als man zunächst vermutet. Jonah hingegen wirkt zunächst distanziert, hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch nach Unabhängigkeit und der wachsenden Verbindung zu Scarlett.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus beiden Perspektiven, also Scarletts und Jonahs, was einen schönen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren gibt. Die moderne, teils jugendliche Sprache lässt die Dialoge authentisch wirken und passt gut zum leichten, sommerlichen Ton des Romans.

Auch wenn die Handlung stellenweise eher ruhig verläuft und nicht durch große Dramatik geprägt ist, zeigt das Buch genau darin seinen Charme. Es ist für mich ein echtes Wohlfühlbuch – ein cosy Summer Read, der sich leicht Weglesen lässt und einfach Spaß macht. Die Mischung aus Friends-to-Lovers und Slow Burn sorgt für eine angenehme Spannung, ohne zu überladen zu wirken.
Anfangs war ich unsicher, ob mir die Geschichte vielleicht etwas zu seicht ist und es an Tiefgang fehlt. Am Ende hat mich genau diese Leichtigkeit überzeugt: Ich habe das Buch einfach gerne gelesen, mich in St Ives und seinen Bewohnern wohlgefühlt und wollte die Geschichte gar nicht so schnell verlassen.
„Summer Tides“ ist damit ein gelungener Auftakt, der neugierig auf die weiteren Bände macht – und darauf, wie sich das Leben in St Ives in den weiteren drei Bänden mit den Jahreszeiten verändert.