Mein Logenplatz im Chaos

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Schon nach den ersten Seiten hat mich Joey Goebel genau da, wo er mich haben will: mitten im herrlich kaputten Herz von Middle America. Ich begleite Charaktere, die so herrlich neben der Spur sind, dass ich nicht weiß, ob ich sie bemitleiden oder für ihre schräge Beharrlichkeit feiern soll. Es ist dieses typische Goebel-Gefühl – eine Mischung aus beißender Gesellschaftskritik und einer tiefen, fast schon zärtlichen Liebe für die „Looser“ und Außenseiter dieser Welt.
Was mich an diesen ersten 56 Seiten besonders fasziniert, ist der Wahnsinn des Alltags. Ich fühle mich wie ein Voyeur in einer Welt voller gescheiterter Träume, in der das Wrestling – dieser titelgebende „Sunset Flip“ – zur perfekten Metapher für das Leben selbst wird: Man lässt sich fallen, hofft auf den großen Wurf und landet doch meistens hart auf der Matte. Der Humor ist trocken, oft schmerzhaft ehrlich und trifft mich genau dort, wo es wehtut, nur um mich im nächsten Moment wieder zum Lachen zu bringen.
Für mich ist der Einstieg wie eine rasante Fahrt in einem rostigen Muscle-Car. Es klappert an allen Ecken, der Motor stottert, aber der Drive ist unwiderstehlich. Goebel schafft es, dass ich mich in den skurrilen Dialogen und den abgefahrenen Gedankengängen seiner Figuren verliere. Ich spüre diesen unbedingten Willen, der Mittelmäßigkeit zu entfliehen, auch wenn der Fluchtweg über eine staubige Hinterhof-Bühne führt. Nach diesen 56 Seiten bin ich süchtig nach diesem schmutzigen Glanz und will unbedingt wissen, wer am Ende wirklich obenauf liegt.