Die Ballade von Auggie und Miss Nadine

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gtotter Avatar

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„Sunset Flip“ von Joey Goebel ist ein sehr amerikanisches Buch. Es geht um den amerikanischen Dream, der Vorstellung das man alles schaffen kann, wenn man nur härter arbeitet als die anderen. Und um den Aufstiegsmythos. Das spiegelt sich vor allem in der Hauptfigur Auggie Schnuck, einen Unterdog der von ganz unten kommt und von einer Filmkarriere als auch den typischen American Dream mit Haus und Familie träumt.

Die Erzählweise erinnert an amerikanische Kurzgeschichten, Raymond Carver und Sam Shepard lassen grüßen. In kurzen Kapiteln, die oftmals nur wenige Szenen enthalten, werden die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Hauptfigur erzählt. Die Sprache ist eher nüchtern, die Orte sind oft karg und sehr amerikanische gewählt. Der riesige Spielzeugmarkt, die kleine Wohnung, das übertrieben pompöse Haus.

Joey Goebel ist ein Meister seines Handwerkes und auch wenn ich mich für Wrestling null interessiere, haben die Wrestling-Passagen Spaß gemacht. Mit dem Buch bin auch gut vorangekommen, innerhalb weniger Tage war es ausgelesen. Wobei es keine Lektüre für nebenbei ist, dazu ist es teils zu verwirrend und dicht beschrieben. Es kommen sehr viele Figuren vor, und nicht alle werden gut eingeführt. Teilweise sind sie plötzlich in der Szene und als Leser erfährt man nur aus den Dialogen wer diese Leute nun schon wieder sind. Es ist oft schwer, den Überblick zu behalten. Auch die Reihenfolge der einzelnen Kapiteln ist etwas tricky. Erzählt wird anhand von zwei Richtungen, die sich auseinandergelegen. Die Geschichte wird abwechselnd vorwärts und rückwärts erzählt. Das sorgt anfangs für Verwirrung und geht auch nicht immer auf.

z.B. Kommt in einem Kapitel ein ähnlicher Dialog vor: „Hey, weißt du noch, wie du damals fast gestorben bist“. „Ja und dann ist xy passiert“ „Genau und dann hast du z gemacht“…. Und im nächsten Kapitel wird dann noch mal erzählt worüber die Figuren zuvor gesprochen haben. Dies führte bei mir zu einer emotionalen Distanz und ich habe mich gefragt, warum ich das Kapitel nun überhaupt lese wenn ich eh schon weiß wie es ausgeht. Und das bei einem Kapitel das eigentlich einen Wendepunkt in der Geschichte beschreibt und in dem dramatische Dinge passieren.

Diese Schnitzer konnten mir den Spaß an der Lektüre nicht nehmen, dazu ist das Buch zu gut geschrieben und die Figuren sind zu sympathisch. Außerdem funktioniert die Erzählweiße gegen Ende des Romans ganz gut. Es ist spannend die Charaktere und ihre Vergangenheit erst im nachhinein kennenzulernen und beim Lesen auch die Sichtweise auf sie zu verändern.

Neben "Schwarzer September" mein bisheriges Jahreshighlight.