Ein sensibler Roman über ein Leben zwischen Inszenierung, Sehnsucht und Identität
In Sunset Flip von Joey Goebel tauchen wir mit Auggie Schnuck und seiner großen Liebe Nadine tief in die Welt des Wrestlings ein. Für Leserinnen und Leser, die bislang kaum Berührungspunkte mit dieser Szene hatten (wie mich), könnte dies zunächst abschreckend wirken. Doch genau dieser ungewöhnliche Rahmen macht die Geschichte so besonders. Wer ihn meidet, verpasst einen vielschichtigen, außergewöhnlichen Roman.
Goebel erzählt sensibel und sehr nahbar davon, wie Auggie und Nadine ihren gemeinsamen Traum verfolgen. Beide möchten in Hollywood erfolgreich werden, doch während Nadine aus einem wohlhabenden Elternhaus stammt, hofft Auggie, durch den Erfolg den prekären Verhältnissen seiner Herkunft zu entkommen und endlich Anerkennung zu finden. Das Wrestling, zunächst nur als Umweg gedacht, wird zu seiner Bühne, auf der er verschiedene Rollen ausprobieren kann. Mit dem Gimmick „The Aug“ gelingt ihm schließlich der Durchbruch. Und die Gefahr, sich selbst zu verlieren, droht.
Die sich entwickelnde Karriere und sein eigener Perfektionismus sorgen dafür, dass Auggie bald mehr als 300 Tage im Jahr „The Aug“ ist. Anfangs wirkt das noch amüsant, doch nach und nach wird die Bühnenfigur zu einer bedrohlichen Präsenz, die selbst in Alltags- und Familiensituationen ihren Platz einfordert. Goebel zeichnet das feinsinnige Porträt eines Menschen, der zwischen Rolle und Realität zunehmend den Halt verliert. Schließlich müssen Auggie und Nadine sich die Frage stellen, welches Leben sie führen wollen.
Besonders gelungen ist die szenische Erzählweise, die stellenweise fast wie die Vorlage für ein Drehbuch wirkt. Zwei Zeitstränge wechseln einander ab: Der eine begleitet Auggies Karriere als Profi-Wrestler, der andere blickt chronologisch zurück und offenbart, wer Auggie wirklich ist und wie viel von ihm in „The Aug“ steckt. Die Zeitsprünge wirken zu Beginn etwas fordernd, doch Goebel dosiert die Einblicke in Auggies Vergangenheit so geschickt, dass Spannung und Neugier stets erhalten bleiben. Gerade die zweite Hälfte des Buches habe ich regelrecht verschlungen.
Die Szenen rund um die Wrestling-Karriere sind unterhaltsam und oft humorvoll, gelegentlich schleichen sich jedoch auch Wiederholungen und Längen ein. Die vielen Fachbegriffe erschweren zudem den Zugang; ein Glossar hätte hier zusätzlichen Mehrwert geboten.
Sunset Flip ist ein kluger, sensibler und zugleich nachdenklicher Roman über Identität, Rollenbilder und die Frage, wie sehr Herkunft und Erfahrungen uns prägen. Für mich war es das erste Buch von Joey Goebel, und es wird garantiert nicht das letzte bleiben. Wer bereit ist, über Wrestling hinauszublicken, findet eine Geschichte voller Emotionen und Tiefe, die mit feinem Gespür von menschlichen Motivationen und inneren Konflikten erzählt.
Goebel erzählt sensibel und sehr nahbar davon, wie Auggie und Nadine ihren gemeinsamen Traum verfolgen. Beide möchten in Hollywood erfolgreich werden, doch während Nadine aus einem wohlhabenden Elternhaus stammt, hofft Auggie, durch den Erfolg den prekären Verhältnissen seiner Herkunft zu entkommen und endlich Anerkennung zu finden. Das Wrestling, zunächst nur als Umweg gedacht, wird zu seiner Bühne, auf der er verschiedene Rollen ausprobieren kann. Mit dem Gimmick „The Aug“ gelingt ihm schließlich der Durchbruch. Und die Gefahr, sich selbst zu verlieren, droht.
Die sich entwickelnde Karriere und sein eigener Perfektionismus sorgen dafür, dass Auggie bald mehr als 300 Tage im Jahr „The Aug“ ist. Anfangs wirkt das noch amüsant, doch nach und nach wird die Bühnenfigur zu einer bedrohlichen Präsenz, die selbst in Alltags- und Familiensituationen ihren Platz einfordert. Goebel zeichnet das feinsinnige Porträt eines Menschen, der zwischen Rolle und Realität zunehmend den Halt verliert. Schließlich müssen Auggie und Nadine sich die Frage stellen, welches Leben sie führen wollen.
Besonders gelungen ist die szenische Erzählweise, die stellenweise fast wie die Vorlage für ein Drehbuch wirkt. Zwei Zeitstränge wechseln einander ab: Der eine begleitet Auggies Karriere als Profi-Wrestler, der andere blickt chronologisch zurück und offenbart, wer Auggie wirklich ist und wie viel von ihm in „The Aug“ steckt. Die Zeitsprünge wirken zu Beginn etwas fordernd, doch Goebel dosiert die Einblicke in Auggies Vergangenheit so geschickt, dass Spannung und Neugier stets erhalten bleiben. Gerade die zweite Hälfte des Buches habe ich regelrecht verschlungen.
Die Szenen rund um die Wrestling-Karriere sind unterhaltsam und oft humorvoll, gelegentlich schleichen sich jedoch auch Wiederholungen und Längen ein. Die vielen Fachbegriffe erschweren zudem den Zugang; ein Glossar hätte hier zusätzlichen Mehrwert geboten.
Sunset Flip ist ein kluger, sensibler und zugleich nachdenklicher Roman über Identität, Rollenbilder und die Frage, wie sehr Herkunft und Erfahrungen uns prägen. Für mich war es das erste Buch von Joey Goebel, und es wird garantiert nicht das letzte bleiben. Wer bereit ist, über Wrestling hinauszublicken, findet eine Geschichte voller Emotionen und Tiefe, die mit feinem Gespür von menschlichen Motivationen und inneren Konflikten erzählt.