Ganz anders als erwartet

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lesetante123 Avatar

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Sunset Flip wirkt auf den ersten Blick wie ein Roman über Wrestling, eigentlich erzählt Joey Goebel aber von Menschen, die irgendwann nicht mehr wissen, wo die eigene Persönlichkeit aufhört und die Rolle beginnt. Gerade das hat mir an dem Buch gefallen. Hinter dieser lauten, teilweise grotesken Welt steckt etwas ziemlich Melancholisches.
Die Hauptfigur Auggie ist dabei keine klassische sympathische Figur, aber genau das macht ihn interessant. Man merkt mit jeder Seite mehr, wie sehr er zwischen Selbstinszenierung, Erwartungen und dem Wunsch nach echter Bedeutung feststeckt. Goebel beschreibt das ohne Pathos, oft mit trockenem Humor, manchmal fast absurd, und trotzdem haben viele Szenen eine unangenehme Ehrlichkeit. Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre des Romans. Alles wirkt ständig wie eine Show, aber gleichzeitig liegt über vielen Momenten eine gewisse Einsamkeit. Dieses Spannungsfeld zieht sich durch das ganze Buch. Der Schreibstil bleibt dabei angenehm direkt, ohne simpel zu wirken, und schafft es, selbst aus überzeichneten Situationen etwas Menschliches herauszuholen. Für mich gehört Sunset Flip zu den Büchern, die mehr transportieren, als die Handlung zuerst vermuten lässt. Nicht nur wegen der ungewöhnlichen Welt, sondern weil der Roman ziemlich präzise zeigt, wie schnell Menschen sich in Bildern verlieren können, die sie von sich selbst erschaffen.