Roman über Identität und den Preis des Erfolgs

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jens1991 Avatar

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Kalifornien im Jahr 1989: Auggie Schnuck hat als Wrestler den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Gemeinsam mit seiner Frau Nadine träumt er von einer Familie und einer Zukunft in Hollywood. Sein Manager Stan stellt ihm eine Karriere als Filmschauspieler in Aussicht, ein Traum, den Auggie schon lange verfolgt. Das Wrestling, das für ihn einst nur ein Sprungbrett sein sollte, ist ihm längst zur Last geworden. Dennoch begeistert er als „The Aug“ weiterhin das Publikum. Doch je erfolgreicher seine Karriere verläuft, desto häufiger verliert er auch außerhalb des Rings die Kontrolle über seine Rolle. Die Grenzen zwischen Inszenierung und Wirklichkeit verschwimmen zunehmend und als Stan einem anderen Wrestler einen Filmvertrag verschafft, nimmt eine folgenschwere Entwicklung ihren Lauf.

Mit „Sunset Flip“ legt Joey Goebel einen ebenso ungewöhnlichen wie eindringlichen Roman über Identität, Selbstinszenierung und den Preis des Erfolgs vor. Im Mittelpunkt steht ein vielschichtiger Protagonist, dessen schleichender Verlust der eigenen Persönlichkeit ebenso glaubwürdig wie beklemmend erzählt wird. Besonders gelungen ist dabei die Figurenzeichnung. Auggie bleibt trotz seiner Fehler stets nahbar, während auch Nadine weit mehr ist als nur die Frau an seiner Seite. Ihre Dialoge wirken lebendig und authentisch und verleihen der Geschichte eine große emotionale Glaubwürdigkeit. Ebenso überzeugt die szenische Erzählweise, die stellenweise fast wie ein Drehbuch wirkt und den Roman mit einer besonderen Dynamik vorantreibt. Obwohl Wrestling für viele Leserinnen und Leser zunächst ein ungewohntes Thema sein dürfte, gelingt es Goebel, diese Welt faszinierend und verständlich einzufangen. Ganz nebenbei vermittelt er die Besonderheiten dieses Kosmos, ohne Vorkenntnisse vorauszusetzen. Die wechselnden Zeitebenen tragen dazu bei, Auggies Entwicklung nach und nach offenzulegen und sorgen immer wieder für neue Aha-Momente. Mitunter wirken diese Zeitsprünge jedoch etwas anspruchsvoll und gerade zu Beginn fällt die Orientierung nicht immer leicht. Auch die zahlreichen Wrestling-Fachbegriffe hätten durch ein Glossar ergänzt werden können. Zudem verliert die Handlung zwischendurch etwas an Tempo und weist einige kleinere Längen auf. Insgesamt ist „Sunset Flip“ jedoch weit mehr als ein Roman über Wrestling. Joey Goebel erzählt ein tragikomisches Drama über die Suche nach der eigenen Identität, über Rollenbilder und den schmalen Grat zwischen Schein und Sein. Ein ungewöhnlicher, kluger und bewegender Roman, der auch Leserinnen und Leser begeistern dürfte, die mit Wrestling bislang nichts anfangen konnten.