Schein und Sein in der Wrestling Welt

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filondor Avatar

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Wrestling war für mich immer mehr Show als Sport. Als früherer Fan von 'Hogan Knows Best' (I know) wusste ich nur dass es schlecht für den Rücken ist. Was Wrestling einem Menschen abverlangt, zeigt der Roman 'Sunset Flip' sehr deutlich. Der sympathische und eher zurückhaltende Auggie sieht in seiner Verwandlung in den unberechenbaren und verwirrten 'The Aug' einerseits die Möglichkeit seiner Kindheit in Armut zu entfliehen, andererseits ein Sprungbrett in die Schauspielbranche.

300 Tage im Jahr ist er unterwegs und rackert sich ab, während seine Frau Nadine zurückbleibt. Der Stress, die hohen Erwartungen und der Druck, immer abzuliefern, fordern ihren Tribut: die Grenzen zwischen Auggie und The Aug verschwimmen.

Mich hat das sehr an die Rollentheorie aus der Sozialpsychologie erinnert: Wir alle führen je nach sozialer Situation und damit verbundenen Erwartungen unterschiedliche Rollen aus. Gehen die Erwartungen zu weit auseinander, kann es zu einem Rollenkonflikt kommen. Genau das scheint bei Auggie zu geschehen - oder steckt in seiner Figur doch mehr von ihm selbst, als ihm lieb ist?

Mir hat das Buch nach einigen Startschwierigkeiten sehr viel Freude bereitet. Es wird wenig zum Thema Wrestling erklärt, ich musste mir viel erschließen. Auch die langen Dialoge sind nicht immer leicht nachzuvollziehen. Unterm Strich fand ich die Handlung und die Protagonist:innen sensibel und fein gezeichnet. Ich kann es also empfehlen und würde 4,5/5⭐ geben!